Mit deutscher Krankenkasse in Ungarn

Ganz so einfach wie man das immer in Bezug auf "Einheitlichkeit in der EU" hört, ist es nicht, wenn man (zeitweise) in Ungarn lebt und über eine deutsche Krankenversicherung abgesichert ist. Wir versuchen ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.

Um was geht es?

Als deutscher Staatsbürger hast du auch in Ungarn Anspruch auf medizinische Leistungen. Doch wie funktioniert das System hier und was musst du beachten? Dieser Artikel gibt dir einen umfassenden Überblick über die Gesundheitsversorgung in Ungarn mit deiner deutschen Krankenversicherung.

Markus Messemer

Zum Arzt in Ungarn mit deutscher Krankenversicherung

Dieser Artikel richtet sich an diejenigen, die bei ihrer deutschen Krankenversicherung versichert bleiben wollen (oder müssen). Möchtest du in die ungarische Krankenversicherung, lies bitte unter Krankenversicherung in Ungarn für Deutsche.


Jeder, der (dauerhaft für einige Wochen im Jahr) hier in Ungarn lebt weiß, dass das mit Arztbesuchen, die keine Notfälle sind, nicht ganz so einfach ist.

Das ungarische Gesundheitssystem kombiniert staatliche und private Versorgung. Als gesetzlich Pflichtversicherter in Deutschland hast du die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) automatisch – sie ist auf der Rückseite deiner deutschen Versichertenkarte abgedruckt. Diese EHIC ermöglicht dir, bei vorübergehenden Aufenthalten in Ungarn medizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen. Zeige die Karte einfach bei dringenden Behandlungen beim Arzt vor, und die Kosten werden direkt über deine deutsche Krankenversicherung abgerechnet. Für längere Aufenthalte von mehr als einem Jahr oder bei einem dauerhaften Umzug kann es auch die Möglichkeit geben, sich ins ungarische Gesundheitssystem zu integrieren. Dafür ist das Formular S1 erforderlich.

Mit der EHIC erhältst du in Ungarn alle medizinisch notwendigen Leistungen, die während deines Aufenthalts erforderlich werden und nicht bis zu deiner Rückkehr nach Deutschland aufgeschoben werden können. Das gilt sowohl für die ambulante als auch für die stationäre Versorgung.
Wichtig zu wissen: Die Behandlung erfolgt nach den Regeln des ungarischen Gesundheitssystems. Das bedeutet, dass du die gleichen Leistungen und zu den gleichen Bedingungen erhältst wie ungarische Versicherte. In manchen Fällen kann das auch Zuzahlungen bedeuten.

Ambulante Versorgung: Vom Hausarzt bis zum Spezialisten

In Ungarn gibt es ein System von Hausärzten, die als erste Anlaufstelle für gesundheitliche Probleme dienen. Mit deiner EHIC kannst du dich direkt an einen Hausarzt wenden. Ob dieser „auf dem platten Land“ etwas damit anzufangen weiß, ist dabei noch die andere Frage. Auf jeden Fall solltest du behandelt werden oder bei Bedarf erhältst du eine Überweisung an einen Facharzt oder ins Krankenhaus.
Die Qualität der ambulanten Versorgung ist in den größeren Städten in der Regel gut. In ländlichen Gebieten kann es jedoch zu längeren Wartezeiten oder eingeschränkter Verfügbarkeit von Fachärzten kommen.

Stationäre Behandlung: Vom Notfall bis zur geplanten OP

Auch bei einem Krankenhausaufenthalt greift deine EHIC. In einem medizinischen Notfall wirst du in das nächstgelegene öffentliche Krankenhaus eingeliefert. Die Behandlung erfolgt kostenlos, sofern du deine EHIC vorlegen kannst.
Bei geplanten stationären Behandlungen ist es ratsam, vorab mit deiner deutschen Krankenkasse zu klären, ob eine Vorabgenehmigung erforderlich ist und ob es möglicherweise eine Kostenbeteiligung gibt, die über die üblichen Zuzahlungen hinausgeht. So vermeidest du unvorhergesehene Kosten. Die Vorabklärung ist besonders wichtig bei aufwendigen Operationen oder längerfristigen Behandlungen.

Medikamente und Hilfsmittel: Was ist erstattungsfähig?

Verschreibungspflichtige Medikamente erhältst du in ungarischen Apotheken gegen Vorlage eines Rezepts. Beachte, dass die Erstattungshöhe für bestimmte Medikamente in Ungarn von der in Deutschland abweichen kann. Zudem sind manche Medikamente, die in Deutschland verschreibungspflichtig sind, in Ungarn eventuell rezeptfrei erhältlich – und umgekehrt. In ländlichen Regionen kann es zu Engpässen bei bestimmten Medikamenten kommen, daher empfiehlt es sich, Vorräte mitzunehmen oder rechtzeitig vor Ort ein Rezept zu erhalten.
Bei Hilfsmitteln wie Brillen oder Prothesen ist es wichtig, vorab mit deiner deutschen Krankenkasse zu klären, ob und in welchem Umfang eine Kostenübernahme möglich ist.

Zahnärztliche Behandlung

Ungarn ist bekannt für seine qualitativ hochwertige und vergleichsweise günstige Zahnmedizin. Mit deiner EHIC hast du Anspruch auf zahnärztliche Notfallbehandlungen. Für umfangreichere Behandlungen, insbesondere Zahnersatz, ist eine vorherige Absprache mit deiner deutschen Krankenkasse empfehlenswert. Normalerweise musst du Zuzahlungen im selben Umfang wie in Deutschland leisten, aufgrund der deutlich günstigeren Kosten ist das jedoch um einiges weniger.

Besonderheiten der ungarischen Gesundheitsversorgung

Ein Highlight der ungarischen Medizin sind die zahlreichen Thermal- und Heilbäder. Viele dieser Einrichtungen bieten nicht nur Wellness, sondern auch medizinische Behandlungen an. Ob und inwieweit solche Kuren von deiner deutschen Krankenkasse übernommen werden, solltest du im Vorfeld abklären.

Praktische Tipps für den Arztbesuch in Ungarn

  • Halte immer deine EHIC bereit.
  • In größeren Städten findest du oft Ärzte, die Deutsch oder Englisch sprechen.
  • Kläre, bei geplanten Behandlungen, vorher die Modalitäten mit deiner Krankenkasse.
  • Es kann vorkommen, dass du die Behandlungskosten zunächst selbst bezahlen musst. Bewahre in diesem Fall alle Rechnungen und Belege sorgfältig auf, um sie später bei deiner deutschen Krankenkasse einzureichen.

Bei längerfristigen Aufenthalten oder dauerhaftem Umzug ist es ratsam, zu überlegen, ob es Sinn macht (bzw. möglich ist) sich bei der ungarischen Krankenkasse anzumelden. Dafür benötigst du das Formular S1 von deiner deutschen Krankenkasse.

S1-Bescheinigung für Ungarn-Auswanderer: So sicherst du deinen Krankenversicherungsschutz

Ein neues Leben in Ungarn ist aufregend – doch bevor es losgeht, solltest du deine medizinische Absicherung klären. Die S1-Bescheinigung macht es möglich, dass du auch in Ungarn krankenversichert bleibst, ohne deine deutsche Versicherung zu kündigen. Hier erfährst du, wie der Prozess funktioniert – inklusive aller Updates zur Umbenennung der ungarischen Krankenkasse.

Was ist die S1-Bescheinigung?

Die S1-Bescheinigung ist ein EU-Dokument, das dir den Zugang zum ungarischen Gesundheitssystem ermöglicht, während Deutschland dein „Versicherungsland“ bleibt. Deine deutsche Krankenkasse übernimmt indirekt die Kosten für medizinische Leistungen in Ungarn – allerdings nach ungarischen Standards.

Voraussetzungen für die S1-Bescheinigung

Du kannst die S1 beantragen, wenn du gesetzlich in Deutschland versichert bist – etwa durch einen Job, die Rentenversicherung oder eine Familienversicherung. Wichtig ist, dass du einen dauerhaften Wohnsitz in Ungarn planst. Für kurze Aufenthalte (z. B. Urlaub) reicht die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) aus, die jedoch nur für Notfälle und unvorhergesehene Behandlungen gedacht ist.

So beantragst du die S1-Bescheinigung

Kontaktiere deine deutsche Krankenkasse vor deiner Ausreise. Die Beantragung des Anspruchs (intern als S1-Verfahren geführt) erfolgt am besten per Online-Formular, E-Mail oder telefonisch. Der Prozess hat sich modernisiert: Anstatt dir ein Papierdokument zum Einreichen zuzusenden, leitet deine deutsche Krankenkasse die notwendigen Daten nach der Genehmigung direkt elektronisch an die ungarische Gesundheitsbehörde (NEAK) weiter. Bitte deine Krankenkasse um eine Bestätigung, sobald diese digitale Übermittlung erfolgt ist.

Anmeldung in Ungarn: Das musst du tun

  1. Registriere deinen Wohnsitz
    Melde dich bei der ungarischen Einwanderungsbehörde („Országos Idegenrendészeti Főigazgatóság“ – Nationale Generaldirektion der Fremdenpolizei) an. Ohne diese Anmeldung kannst du die S1 nicht nutzen.
  2. Die elektronische Registrierung bei der NEAK abwarten
    Nachdem deine deutsche Krankenkasse die S1-Daten elektronisch übermittelt hat, muss die ungarische Gesundheitsbehörde (NEAK) diesen Datensatz verarbeiten. Das ist der größte Unterschied zum früheren Verfahren: Du musst die Bescheinigung nicht mehr persönlich einreichen. Der Prozess läuft im Hintergrund zwischen den Behörden. Die NEAK wird sich im Anschluss (normalerweise) bei dir melden oder die Daten für die Ausstellung Ihrer TAJ-Karte vorbereiten. Unsere Empfehlung: Da dieser Prozess einige Wochen dauern kann, solltest du aktiv bei der für deinen Wohnort zuständigen Behörde (Kormányablak oder direkt bei der NEAK) nachfragen, falls du nach etwa einem Monat noch keine Rückmeldung erhalten hast. Erwähne dabei, dass die Datenübermittlung aus Deutschland elektronisch erfolgte. Halte für die finale Registrierung deinen Ausweis und deine ungarische Wohnsitzkarte (Lakcímkártya) bereit. Die frühere Frist von 93 Tagen zum Einreichen des Dokuments entfällt zwar, du solltest den gesamten Prozess aber dennoch zügig abschließen.
  3. Erhalte die ungarische TAJ-Karte, mit der du nun ärztliche Leistungen wie jeder andere in Ungarn versicherte erhältst.

Sonderfall: Ehemals privat Versicherte, Selbstständige und Beamte

Der oben beschriebene Weg über das S1-Formular gilt ausschließlich für Personen, die in Deutschland in einer gesetzlichen Krankenkasse (GKV) versichert sind oder waren. Doch was ist mit dem Personenkreis, der in Deutschland privat krankenversichert war oder als Beamter über die Beihilfe abgesichert ist?

Das Kernproblem: Kein Anspruch auf das S1-Formular

Personen, die nicht in der deutschen GKV sind, können von dieser auch kein S1-Formular erhalten. Das bedeutet, der automatische Weg zur ungarischen TAJ-Karte über die deutsche Rente ist versperrt. Viele stehen dann vor der Herausforderung, dass Arztbesuche vor Ort direkt in bar bezahlt werden müssen und die Abrechnung umständlich über die private Kasse und Beihilfestelle in Deutschland erfolgen muss. Auch Förderprogramme für Rentner, die an eine ungarische Sozialversicherungsnummer geknüpft sind, können nicht beantragt werden.

Die Lösung: Der freiwillige Beitritt zur ungarischen Krankenversicherung

Auch für diesen Personenkreis gibt es eine Lösung, um eine vollwertige ungarische Krankenversicherung und damit eine TAJ-Karte zu erhalten. Der Weg führt über den direkten Beitritt zum ungarischen Sozialversicherungssystem. Neben der folgenden Kurzversion findest du im Artikel Krankenversicherung in Ungarn die Details.

So gehst Du vor:

  1. Voraussetzung: Du benötigst einen offiziellen, dauerhaften Wohnsitz in Ungarn, nachgewiesen durch die Wohnsitzkarte (Lakcímkártya).
  2. Antragstellung: Du stellst bei der zuständigen Regierungsbehörde (Kormányablak) einen Antrag auf Aufnahme in das ungarische Sozialversicherungssystem.
  3. Beitragszahlung: Nach der Genehmigung zahlst Du einen monatlichen Gesundheitsbeitrag (egészségügyi szolgáltatási járulék) direkt an die ungarische Steuer- und Zollbehörde (NAV).
  4. Erhalt der TAJ-Karte: Nach Abschluss dieses Prozesses wird Dir Deine persönliche TAJ-Karte ausgestellt.

Mit dieser TAJ-Karte hast Du dann vollen Zugang zum staatlichen ungarischen Gesundheitssystem und kannst Ärzte und Krankenhäuser wie ein ungarischer Staatsbürger in Anspruch nehmen. Die Nummer kannst Du auch bei der deutschen Rentenversicherung angeben, falls diese danach fragt.

Konträre Aussagen zum Rentenbeginn

Immer wieder liest man Aussagen dazu, dass wenn jemand mal in einer deutschen Privaten Krankenversicherung war spätestens mit dem Rentenbeginn nicht mehr in der ungarischen Kasse geduldet wird. Nach unseren Recherchen ist das, zumindest nach der Gesetzesgrundlage der NEAK, nicht der Fall. Es könnte nur dann passieren, wenn man noch die 1 Jahr ununterbrochene gemeldete Anschrift in Ungarn hat und somit in die teurere „Megállapodás“ mit der NEAK hineinfällt, mit der jedoch jeder versichert werden sollte. Details dazu haben wir in unserem Artikel Krankenversicherung in Ungarn erläutert.
Falls uns jemand, aus einem konkreten Fall, weitere Informationen dazu geben kann, passen wir das natürlich gerne an.

Arztbesuche und Medikamente: So funktioniert es vor Ort

In Ungarn ist das Gesundheitssystem auf die Taj-Kártya (Krankenversicherungskarte) ausgelegt. Nach der Registrierung deiner S1-Bescheinigung bei der NEAK erhältst du die Taj-Kártya, die du dann bei Arztbesuchen, im Krankenhaus oder in der Apotheke vorlegst. Die Taj-Kártya ersetzt die S1-Bescheinigung im täglichen Gebrauch, sodass du in der Regel keine Kopie der S1 mehr benötigst.

  • Beim Arzt / Im Krankenhaus:
    Deine ungarische TAJ-Karte ist der alleinige Nachweis, den du im Alltag bei Ärzten, in Kliniken oder Apotheken benötigst. Es ist nicht mehr notwendig, eine Kopie der S1-Bescheinigung mitzuführen oder vorzulegen, da die TAJ-Karte deine vollwertige Mitgliedschaft im ungarischen System bestätigt.
  • In der Apotheke:
    In Ungarn funktioniert die Medikamentenverschreibung mittlerweile überwiegend elektronisch. Wenn du beim Arzt bist und Medikamente brauchst, stellt er normalerweise ein sogenanntes elektronisches Rezept („e-Rezept“, ungarisch: „e-recept“) aus.
    Du erhältst dann nicht mehr automatisch ein Papierrezept, sondern das Rezept wird direkt in einem zentralen elektronischen System gespeichert. Mit deiner TAJ-Karte kannst du anschließend in jeder Apotheke deine verschriebenen Medikamente abholen. Die Apotheker rufen das Rezept digital ab, nachdem du deine Karte oder deinen Personalausweis vorzeigst.

Leistungen in Ungarn: Das solltest du wissen

Du erhältst Zugang zur Grundversorgung, aber die Leistungen orientieren sich an ungarischen Standards. Das bedeutet:

  • Ärztliche Behandlungen sind kostenlos oder mit geringen Zuzahlungen verbunden.
  • Krankenhausaufenthalte werden übernommen, aber die Ausstattung oder Wartezeiten können anders sein als in Deutschland.
  • Medikamente sind teilweise kostenpflichtig – der Eigenanteil hängt vom Präparat ab.

Gültigkeit der S1: Wie lange bist du abgesichert?

Die Gültigkeit der S1-Bescheinigung kann variieren. In vielen Fällen gilt sie unbefristet, solange du in Ungarn lebst und deine deutsche Versicherung bestehen bleibt. Das trifft zum Beispiel zu, wenn du als Rentner oder Grenzgänger weiterhin in Deutschland versichert bist. Bei Entsendungen kann die Gültigkeit jedoch zeitlich begrenzt sein. Ändert sich dein Status (z. B. Jobwechsel in Ungarn oder Österreich), musst du die S1 aktualisieren oder eine neue Versicherung abschließen.

Beiträge, Steuern und Doppelversicherung

Deine Krankenversicherungsbeiträge zahlst du weiterhin in Deutschland – etwa über deinen Arbeitgeber, deine Rente oder direkt an die Krankenkasse. Eine Doppelversicherung in Ungarn ist normalerweise nicht nötig. Wenn du unsicher bist, frag bei der NEAK nach, ob zusätzliche Pflichten gelten.

Praktische Tipps für deinen Alltag

  • Sprache: Offizielle Dokumente und Arztgespräche laufen auf Ungarisch ab. Nutze Apps wie DeepL oder engagiere einen Dolmetscher für wichtige Termine.
  • Private Zusatzversicherung: Überlege, ob du eine private Auslandskrankenversicherung abschließt. Sie deckt Leistungen wie Privatkliniken, Zahnbehandlungen oder Rücktransporte nach Deutschland ab.
  • Rückkehr nach Deutschland: Melde dich bei deiner deutschen Krankenkasse zurück, sobald du deinen Wohnsitz wieder nach Deutschland verlegst.

Probleme? So löst du sie

  • Verzögerungen bei der S1: Kläre den Antrag frühzeitig mit deiner deutschen Krankenkasse, um Lücken zu vermeiden.
  • Familienmitglieder: Die S1-Bescheinigung wird pro Person ausgestellt. Ehepartner oder Kinder können oft über deine S1 mitversichert werden. Frag direkt bei der NEAK nach dem Verfahren.

Besonderheiten für Studierende

Studierende aus einem EWR-Mitgliedstaat, die nicht mehr über eine Krankenversicherung in einem anderen EWR-Mitgliedstaat verfügen, können sich gegen Bezahlung eines monatlichen Selbstbezahlungsbeitrags dem ungarischen Krankenversicherungssystem anschließen.

Besonderheiten für deutsche Rentner

Wenn du bereits eine gesetzliche Rente aus Deutschland beziehst, bleibst du in der Regel in Deutschland krankenversichert (z. B. über die Krankenversicherung der Rentner, KVdR). Selbst wenn du deinen Wohnsitz dauerhaft nach Ungarn verlegst, musst du deine deutsche Versicherung nicht kündigen. Du nutzt dafür die bereits erwähnte S1-Bescheinigung, um dich bei der ungarischen Krankenkasse (NEAK) zu registrieren und so Zugang zum ungarischen Gesundheitssystem zu erhalten.

Worauf solltest du achten?

  • Kläre vorab mit deiner deutschen Krankenkasse, ob und wie lange dir die S1-Bescheinigung zur Verfügung steht.
  • Solltest du in Ungarn weitere Einkünfte beziehen oder einen Nebenjob haben, kann das Auswirkungen auf deinen Versicherungsstatus haben.
  • Auch für dich gilt: Halte dich an die Fristen für die Anmeldung bei der NEAK (spätestens 93 Tage nach Einreise) sowie an die Einwanderungsformalitäten für die Lakcímkártya.
  • Überlege, ob eine private Zusatzversicherung sinnvoll ist, falls du Leistungen außerhalb des ungarischen Standardangebots (z. B. Rücktransport nach Deutschland) wünschst.

Damit bleibst du als deutscher Rentner weiterhin in Deutschland versichert und kannst gleichzeitig die medizinische Versorgung in Ungarn nutzen.

Fazit

Mit dem Anspruch S1 startest du  gut vorbereitet in dein neues Leben in Ungarn. Kläre die elektronische Übermittlung der Daten von deiner deutschen Krankenkasse an die ungarische NEAK und stelle  sicher, dass deine Registrierung in Ungarn abgeschlossen wird, damit du deine TAJ-Karte erhältst. Diese Karte ist dein Schlüssel zum Gesundheitssystem.

Normal gehört das zu den Links, aber ich möchte es, weil es wirklich eine sehr hilfreiche Broschüre ist, direkt auch hier aufführen:

Lakcím-Kartya und Krankenkasse

Beim Antrag auf die ungarische Wohnkarte müssen nicht nur deutsche Auswanderer einen Nachweis über ihre Krankenversicherung erbringen. Dies stellt sicher, dass sie im Krankheitsfall versichert sind und keine finanziellen Belastungen für das ungarische Gesundheitssystem entstehen. Der Versicherungsnachweis kann entweder über eine internationale Krankenversicherung (z.B. die von der deutschen Krankenkasse ausgegebene EHIC (europäische Gesundheitskarte)) oder eine ungarische Versicherung erbracht werden. Wenn du jedoch dauerhaft in Ungarn bleiben möchtest, kann auch die S1-Bescheinigung (nach erfolgter Registrierung bei der NEAK) als entsprechender Nachweis dienen.

Markus Messemer

Nützliche Links

Video von Auswandern nach Ungarn [https://www.youtube.com/watch?v=UsNuRI3ubAA] Nützlicher Praxisbericht zur Krankenversicherung bei Auswanderung nach Ungarn: Erklärt Schritt für Schritt, wie du mit dem Formular S072 deine deutsche gesetzliche Krankenversicherung in Ungarn nutzen, die Tajkártya (ungarische Gesundheitskarte) beantragen und welche Vor- und Nachteile der ungarische Gesundheitssektor in der Praxis hat.

Nationale Kontaktstelle für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung [https://www.eu-patienten.de/] Sehr informative Seite mit vielen konkreten Beispielen. Ausgesprochen nützlich, insbesondere wenn die ungarische Krankenversicherung sich nicht so kooperativ zeigt, wie das Gesetz es fordert.

Krank im Ausland | Informationen vom Europäischen Verbraucherzentrum [https://www.evz.de/reisen-verkehr…] Umfassende Informationen zum Thema „EHIC“ (und mehr)

Markus Messemer

Fragen und Antworten

Brauche ich eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung für Ungarn?
Für kurzfristige Aufenthalte ist die EHIC in der Regel ausreichend. Für längere Aufenthalte oder um zusätzliche Leistungen abzudecken, die über die EHIC hinausgehen, wie beispielsweise den medizinischen Rücktransport nach Deutschland oder die freie Arztwahl in Privatkliniken, kann eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung sinnvoll sein. Diese bietet oft eine umfassendere Absicherung, insbesondere bei spezifischen Behandlungen oder Notfällen.

Wie finde ich einen deutschsprachigen Arzt in Ungarn?
In größeren Städten gibt es oft deutschsprachige Ärzte. Die deutsche Botschaft in Budapest führt eine Liste mit deutschsprachigen Ärzten und Kliniken (https://budapest.diplo.de/hu-de/service/-/1614982)

Was mache ich, wenn meine EHIC nicht akzeptiert wird?
Kontaktiere in diesem Fall umgehend deine deutsche Krankenkasse oder die nationale Kontaktstelle für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung (Nationales Institut der Krankenkassenverwaltung (NEAK), Website: www.neak.gov.hu)

Werden Vorsorgeuntersuchungen in Ungarn von meiner deutschen Krankenkasse übernommen?
Vorsorgeuntersuchungen fallen in der Regel nicht unter die Leistungen der EHIC. Kläre dies im Vorfeld mit deiner Krankenkasse ab.

Kann ich meine deutschen Rezepte in ungarischen Apotheken einlösen?
Grundsätzlich ja, aber es kann in der Praxis zu Problemen kommen. Es ist ratsam, sich vor der Abreise mit ausreichend Medikamenten zu versorgen oder sich vor Ort ein neues Rezept ausstellen zu lassen.

Markus Messemer

Praxistipp

Bereite dich gut auf deinen Aufenthalt in Ungarn vor: Informiere dich über das ungarische Gesundheitssystem und packe wichtige Dokumente wie deine EHIC, Impfpass und ggf. Arztbriefe ein. So bist du für den medizinischen Ernstfall bestens gerüstet.

Markus Messemer

Ungarisch direkt übersetzt

Az EHIC-eddel elmehetsz orvoshoz Magyarországon.
Die EHIC-dein-mit gehen-kannst-du Arzt-zu Ungarn-auf.
Mit deiner EHIC kannst du in Ungarn zum Arzt gehen.

Vészhelyzetben ingyen kezelnek a kórházban.
Notfall-in kostenlos behandeln-sie-dich das Krankenhaus-in.
In Notfällen wirst du kostenlos im Krankenhaus behandelt.

A tervezett kezelésekhez előzetesen egyeztesd a biztosítóddal.
Die geplanten Behandlungen-zu vorher abstimme-die Versicherung-dein-mit.
Für geplante Behandlungen kläre die Genehmigung mit deiner Krankenkasse.

Recept ellenében kaphatsz vényköteles gyógyszereket.
Rezept gegen-bekommen-kannst-du verschreibungspflichtige Medikamente (Akk).
Verschreibungspflichtige Medikamente bekommst du gegen Vorlage eines Rezepts.

Markus Messemer

Übersetzungen und ihre Erläuterung

Anhand der folgenden Beispiele wird deutlich, wie die ungarische Sprache Wörter durch die Kombination von Wortstämmen, Präfixen und Suffixen bildet. Für Lernende kann es hilfreich sein, diese Struktur zu verstehen, um die Bedeutung neuer Wörter leichter zu erschließen und sich die Vokabeln besser einzuprägen.

orvos – Arzt
„Orvos“ ist ein eigenständiges Wort und lässt sich nicht weiter in bedeutungstragende Bestandteile zerlegen. Es bezeichnet einen „Arzt“ oder „Mediziner“. Als Bestandteil findet man es in Wörtern wie „orvostan“ (Medizin als Wissenschaft) oder „orvosság“ (Medizin, Arznei). Die Gesamtbedeutung ergibt sich direkt aus dem Wort selbst, da es ein Grundbegriff im medizinischen Bereich ist.

kórház – Krankenhaus
„Kórház“ setzt sich aus zwei Teilen zusammen: „kór“ bedeutet „Krankheit“ und „ház“ bedeutet „Haus“. „Kór“ findet man auch in Wörtern wie „kóros“ (krankhaft) oder „kórokozó“ (Krankheitserreger). Die Gesamtbedeutung „Krankenhaus“ ergibt sich logisch aus der Kombination von „Krankheit“ und „Haus“ – ein Haus für Kranke.

gyógyszertár – Apotheke
„Gyógyszertár“ besteht aus drei Teilen: „gyógy-“ (von „gyógyítani“, heilen), „szer“ (Mittel, Stoff) und „tár“ (Lager, Speicher). „Gyógy-“ findet sich auch in „gyógyulás“ (Heilung) oder „gyógymód“ (Heilmethode). Die Gesamtbedeutung „Apotheke“ ergibt sich aus der Kombination dieser Elemente: ein Lager für Heilmittel.

recept – Rezept
„Recept“ ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen („receptum“) und wird im Ungarischen unverändert verwendet. Es lässt sich nicht weiter in ungarische Bestandteile zerlegen. Die Bedeutung „Rezept“ entspricht direkt dem deutschen Wort und wird sowohl im medizinischen als auch im kulinarischen Kontext verwendet.

Egészségügyi biztosítás – Krankenversicherung
„Egészségügyi biztosítás“ setzt sich aus „egészség“ (Gesundheit), „-ügyi“ (sachlich, betreffend) und „biztosítás“ (Versicherung) zusammen, und bedeutet somit „Versicherung im Bereich der Gesundheit“, also „Krankenversicherung“.

sürgősségi ellátás – Notfallversorgung
„Sürgősségi ellátás“ besteht aus „sürgősségi“ (Notfall-, dringend) und „ellátás“ (Versorgung). „Sürgősségi“ leitet sich von „sürgős“ (dringend) ab, während „ellátás“ vom Verb „ellátni“ (versorgen) stammt. „Sürgős“ findet man auch in „sürgősen“ (dringend) oder „sürgősség“ (Dringlichkeit). Die Gesamtbedeutung „Notfallversorgung“ ergibt sich aus der Kombination von „dringend“ und „Versorgung“.

háziorvos – Hausarzt
„Háziorvos“ setzt sich aus „házi“ (häuslich, Haus-) und „orvos“ (Arzt) zusammen. „Házi“ leitet sich von „ház“ (Haus) ab und findet sich auch in Wörtern wie „háziállat“ (Haustier) oder „házimunka“ (Hausarbeit). Die Gesamtbedeutung „Hausarzt“ ergibt sich logisch aus der Kombination von „Haus“ und „Arzt“ – ein Arzt, der für die häusliche Versorgung zuständig ist.

szakorvos – Facharzt
„Szakorvos“ besteht aus „szak“ (Fach, Spezialgebiet) und „orvos“ (Arzt). „Szak“ findet man auch in Wörtern wie „szakember“ (Fachmann) oder „szakterület“ (Fachgebiet). Die Gesamtbedeutung „Facharzt“ ergibt sich direkt aus der Kombination von „Fach“ und „Arzt“ – ein Arzt mit einer speziellen Fachausbildung.

műtét – Operation
„Műtét“ setzt sich aus „mű“ (künstlich, Werk) und „tét“ (von „tenni“, machen, tun) zusammen. „Mű“ findet man auch in Wörtern wie „műanyag“ (Kunststoff) oder „műhold“ (Satellit). Die Gesamtbedeutung „Operation“ ergibt sich aus der Idee eines „künstlichen Eingriffs“ oder einer „künstlichen Handlung“ am Körper.

gyógyszer – Medikament
„Gyógyszer“ besteht aus „gyógy-“ (von „gyógyítani“, heilen) und „szer“ (Mittel, Stoff). „Gyógy-“ findet sich auch in „gyógyulás“ (Heilung) oder „gyógynövény“ (Heilpflanze). Die Gesamtbedeutung „Medikament“ ergibt sich direkt aus der Kombination von „Heil-“ und „Mittel“ – ein Stoff, der zur Heilung verwendet wird.

Markus Messemer