Der Akkusativ im Ungarischen: Bildung, Erkennung und Anwendung

Eines der wichtigsten grammatikalischen Konzepte im Ungarischen

Der Akkusativ ist ein wesentlicher Fall in vielen Sprachen, der dazu dient, das direkte Objekt eines Satzes zu markieren. Im Deutschen kennen wir den Akkusativ als den Fall, der die Frage „Wen?“ oder „Was?“ beantwortet. Im Ungarischen funktioniert der Akkusativ ähnlich, jedoch gibt es spezifische Regeln zur Bildung und Anwendung, die es zu verstehen gilt. In diesem Text erfährst du, wie der Akkusativ im Ungarischen gebildet wird, wie man das Akkusativobjekt erkennt und wie dieser Fall in der ungarischen Sprache angewendet wird.

Was ist der Akkusativ?

Der Akkusativ wird verwendet, um das direkte Objekt eines Satzes zu kennzeichnen, also die Person oder Sache, die direkt von der Handlung des Verbs betroffen ist. In einem einfachen deutschen Satz wie „Ich sehe den Hund“ ist „den Hund“ das direkte Objekt und steht im Akkusativ.

Die Bildung des Akkusativs im Ungarischen

Im Ungarischen wird der Akkusativ nicht durch einen anderen Artikel sondern immer durch das Anhängen des Suffixes „-t“ an das Substantiv gebildet. Die genaue Form des Suffixes hängt jedoch von der Vokalharmonie und der letzten Silbe des Wortes ab. Hier sind die grundlegenden Regeln:

Substantive mit vokalischem Auslaut:

Bei Wörtern, die auf einen Vokal enden, wird das Suffix „-t“ direkt an das Wort angehängt. Wie beim Plural werden „a“ und „e“ als Auslaut in ihre längere Form gebracht, also „á“ und „é“.

Beispiele
    • alma (Apfel) → almát (den Apfel)
    • szoba (Zimmer) → szobát (das Zimmer)
    • csibe (Küken) → csibét (das Küken)
    • szerve (Organ) → szervét (das Organ)
    • —-
    • kapu (Tor) → kaput (das Tor)
    • falu (Dorf) → falut (das Dorf)
    • szó (Wort) → szót (das Wort)

Substantive mit konsonantischem Auslaut

Im Gegensatz zum Mehrzahlsuffix -k bildet das Akkusativsuffix -t mit einer Reihe von Konsonanten eine leicht auszusprechende Lautgruppe. Daher wird in vielen Fällen kein Bindevokal benötigt. Dies betrifft Substantive mit den Endkonsonanten -j, -ly, -l, -n, -ny, -r, -s, -sz und -z. Zum Beispiel endet das Wort osztály im Plural auf osztályok, im Akkusativ jedoch auf osztályt.

Beispiele
    • osztály (die Klasse) → osztályt
    • asztal (der Tisch) → asztalt
    • udvar (der Hof) → udvart
    • ember (der Mensch) → embert
    • kérdés (die Frage) → kérdést
    • fillér (der Heller) → fillért
    • baj (das Übel) → bajt
    • rokon (der Verwandte) → rokont
    • szekrény (der Schrank) → szekrényt

Eine Reihe von einsilbigen Worten, die auf die oben genannten Konsonanten enden, erfordern doch einen Bindelaut.

Beispiele
    • úr (der Herr) | urat
    • ház (das Haus) | házat
    • toll (die Feder) | tollat
    • ujj (der Finger) | ujjat

Pluralformen im Akkusativ

Bei Substantiven im Plural wird das Suffix „-kat“ oder „-ket“ (also das Plural-k plus die vokalharmonische Endung) verwendet, um den Akkusativ zu markieren. Erst das Mehrzahlsuffix, dann das Akkusativsuffix

Beispiele
  • gyerekek (Kinder): Látom a gyerekeket. – „Ich sehe die Kinder.“
  • kutyák (Hunde): Látom a kutyákat. – „Ich sehe die Hunde.“
  • házak (Häuser): Látom a házakat. – „Ich sehe die Häuser.“
  • könyvek (Bücher): Látom a könyveket. – „Ich sehe die Bücher.“

Akkusativ bei „dies“ und „das“ in Einzahl und Mehrzahl

Im Ungarischen werden die Demonstrativpronomen „ez“ (dies) und „az“ (das) ebenfalls im Akkusativ verändert, wenn sie als Objekte in einem Satz stehen. Dabei werden im Singular die Suffixe „-t“ und im Plural die Suffixe „-eket“ bzw. „-akat“ angehängt, abhängig von der Vokalharmonie.

Singular

  • Ez (dies) → Ezt (dieses)
  • Az (das) → Azt (jenes)
Beispiele
    • Látom ezt. – „Ich sehe dieses.“
    • Kérem azt. – „Ich bitte um jenes.“

Plural

  • Ezek (diese) → Ezeket (diese)
  • Azok (jene) → Azokat (jene)
Beispiele
    • Látom ezeket. – „Ich sehe diese.“
    • Kérem azokat. – „Ich bitte um jene.“

Die Bildung des Akkusativs bei den Demonstrativpronomen folgt denselben Regeln wie bei Substantiven, wobei der Unterschied in der Verwendung des Plural- und Akkusativsuffixes besteht. Mit diesen Formen kannst du klar ausdrücken, auf welche Objekte sich eine Handlung bezieht, sei es in der Nähe oder weiter entfernt, sowohl im Singular als auch im Plural.

Ausnahmen

Akkusativ bei den v-Stämmen

Die beim Artikel „Mehrzahl“ bereits erwähnten Ausnahmen, die sogenannten v-Stämme, bilden den Akkusativ analog zum Plural. Bei diesen Wörtern wird der Akkusativ wie folgt gebildet:

  • tó (der See)wird zu tavat (den See)
  • ló (das Pferd)wird zu lovat (das Pferd)
  • kő (der Stein)wird zu követ (den Stein)
  • fű (das Gras)wird zu füvet (das Gras)
  • szó (das Wort)wird zu szót (das Wort)
  • tő (der Stamm)wird zu tövet (den Stamm)
  • mű (das Werk)wird zu művet (das Werk)

Hier gilt: Bis auf „mű“ verkürzen alle v-Stamm-Wörter ihren Stammvokal bei der Bildung des Akkusativ. Im Gegensatz zur Mehrzahl gibt es für „szó“ nur eine Akkusativform.

Wortstammänderungen im Akkusativ

Bei der Bildung des Akkusativs treten bei einigen ungarischen Substantiven Wortstammänderungen auf, die bereits aus der Pluralbildung bekannt sind. Diese Änderungen können durch Stammvokalverkürzung, Stammvokalausfall oder Konsonantenverdrehung geschehen. Ob Du Dir das zu Beginn merken solltest ist fraglich. Man sollte es jedoch mal gehört haben.

Beispiele
    • madár (der Vogel) | madarat
    • egér (die Maus) | egeret
    • torony (der Turm) | tornyot
    • hatalom (die Macht) | hatalmat
    • teher (die Last) | terhet
    • vödör (Eimer) | vödröt
außergewöhnliche Ausnahmen, die man sich nicht zwingend merken muss
    • Einige Wörter wie „anya“ (Mutter) und „apa“ (Vater) bleiben im Akkusativ unverändert.
    • Auch einige Fremd- und Lehnwörter wie „taxi“ und „komputer“ bleiben unverändert.

Akkusativbildung von persönlichen Pronomen

Im Ungarischen werden persönliche Pronomen im Akkusativ durch spezifische Suffixe gebildet. Diese Suffixe hängen an das entsprechende Pronomen an und bilden so die Akkusativform.

Beispiele für die Akkusativbildung
    • Én(ich) im Akkusativ: engem
    • Te(du) im Akkusativ: téged
    • Ő(er) im Akkusativ: őt
    • Mi(wir) im Akkusativ: minket
    • Ti(ihr) im Akkusativ: titeket
    • Ők(sie) im Akkusativ: őket
    • Ön(Sie, höflich) im Akkusativ: Önt
Anwendung im Satz

Diese Akkusativformen werden verwendet, wenn das Pronomen als direktes Objekt im Satz fungiert. Zum Beispiel:

  • Látom őt.(Ich sehe ihn/sie.)
  • Szeretem őket.(Ich liebe sie.)
  • Keresem téged.(Ich suche dich.)

Erkennung des Akkusativ-Objekts

Das direkte Objekt eines Satzes, das im Akkusativ steht, ist in der Regel das Wort, das die Handlung des Verbs empfängt. Um das Akkusativ-Objekt in einem Satz zu erkennen, kann man sich folgende Fragen stellen:

  • Wen oder was?: Was wird durch die Handlung des Verbs direkt beeinflusst oder betroffen?
    • Beispiel: Látom a kutyát. – „Ich sehe den Hund.“
      • A kutyát ist das Akkusativ-Objekt, weil es direkt von der Handlung „sehen“ betroffen ist.

Der Gebrauch des Akkusativs im Ungarischen

Der Akkusativ wird im Ungarischen genauso verwendet wie in vielen anderen Sprachen, um das direkte Objekt des Verbs zu markieren. Hier sind einige häufige Anwendungen:

  1. Mit Verben der Wahrnehmung:
    • Verben wie „sehen“, „hören“ und „fühlen“ verlangen oft ein direktes Objekt im Akkusativ.
    • Beispiel: Hallom a zenét. – „Ich höre die Musik.“
  2. Mit Verben der Bewegung:
    • Verben, die eine Bewegung ausdrücken, nehmen oft ein Objekt im Akkusativ, das das Ziel oder den Empfänger der Bewegung angibt.
    • Beispiel: Viszem a könyvet. – „Ich bringe das Buch.“
  3. Mit Verben des Besitzens und Gebens:
    • Verben wie „haben“, „geben“ und „nehmen“ haben ebenfalls oft ein direktes Objekt im Akkusativ.
    • Beispiel: Adom a kulcsot. – „Ich gebe den Schlüssel.“

Alltägliche Nutzung

Du hast sicher schon einige Male den Akkusativ im Ungarischen genutzt, auch wenn du es vielleicht noch nicht bewusst bemerkt hast. Ein interessantes Beispiel hierfür ist die Verwendung des Akkusativs in Sätzen, in denen kein Verb sichtbar ist. Wie kann es ein direktes Objekt eines Verbs geben, wenn es kein sichtbares Verb gibt? Ein Beispiel hierfür ist der alltägliche Gruß: „jó reggelt“ (guten Morgen).

Hier wird „reggel“ (Morgen) in den Akkusativ gesetzt, obwohl kein Verb sichtbar ist. Was passiert hier?  Die Antwort liegt darin, dass das Verb impliziert ist. Was wir hier sehen, ist eine verkürzte Version, bei der wir uns nicht die Mühe gemacht haben, das Verb zu schreiben oder sogar auszusprechen. Die vollständige Version, in der offensichtlich ist, was passiert, lautet:
„jó reggelt kívánok (neked)“ (Ich wünsche dir einen guten Morgen).

Hier sehen wir, dass das Verb „kíván“ (wünschen) ist, das direkte Objekt „jó reggelt“ (guten Morgen) ist, also das, was jemandem gewünscht wird, und das indirekte Objekt die Person ist, der wir wünschen, also „neked“ (dir).

RIta

Meine Meinung zu den wichtigsten Punkten

Der Akkusativ ist immer dann benötigt, wenn du im Satz ein klares Ziel angibst – also wen oder was die Handlung direkt betrifft, die jemand ausführt. Stell dir vor, du hast ein Ziel vor Augen, das du mit der Handlung im Satz direkt triffst. Immer wenn du dich fdragst: „Wen oder was betrifft die Handlung direkt?“, dann greifst du zum Akkusativ.

Wenn du also ein klares Ziel hast, bekommt das Wort im Ungarischen das „-t“ angehängt. Zum Beispiel: „Látom a kutyát“ (Ich sehe den Hund) – der Hund ist dein Ziel, also bekommt er das „-t“!

Wenn du dir zu Beginn die folgenden drei Punkte merkst, kommst u schon ein ganz schönes Stück voran.

  • Suffix „-t“: Hängst du an das Substantiv, um das direkte Objekt zu markieren. Wenn das Wort auf einen Vokal endet, verlängert sich „a“ zu „á“ und „e“ zu „é“.
  • Plural im Akkusativ: Hier kommt das Suffix „-kat“ oder „-ket“ dazu, z.B. „gyerekek“ (Kinder) → „gyerekeket“ (die Kinder).
  • Demonstrativpronomen: „ez“ (dies) wird zu „ezt“ und „az“ (das) zu „azt“, wenn sie im Akkusativ stehen.

 

RIta

Wer schreibt, der bleibt

Schreibe diese Sätze für dich auf, um ein Gefühl für den Akkusativ zu bekommen.

  1. Látom a kutyát.
    (Ich sehe den Hund.)
  2. Veszem a könyvet.
    (Ich nehme das Buch.)
  3. Szeretem a filmet.
    (Ich mag den Film.)
  4. Kérem a kávét.
    (Ich bitte um den Kaffee.)
  5. Hallom a zenét.
    (Ich höre die Musik.)
  6. Nézem a házat.
    (Ich betrachte das Haus.)
RIta

Beispielsätze

  • Látom az autókat, amelyek az út szélén parkolnak.
    (Ich sehe die Autos, die am Straßenrand parken.)
  • Kérem az almát, amit tegnap vettél a boltban.
    (Ich bitte um den Apfel, den du gestern im Laden gekauft hast.)
  • Viszem a könyvet, amit tegnap kölcsönadtál nekem.
    (Ich bringe das Buch, das du mir gestern ausgeliehen hast.)
  • Szeretem azokat a filmeket, amelyeket ajánlottál nekem.
    (Ich mag jene Filme, die du mir empfohlen hast.)
  • Hallom a gyerekeket, ahogy játszanak a kertben.
    (Ich höre die Kinder, wie sie im Garten spielen.)
RIta