Das Adverbialpartizip im Ungarischen: Die Rolle von -va/-ve

Zustände beschreiben

Wer in Ungarn unterwegs ist, hat sicherlich schon einmal die Schilder an den Ladentüren gesehen, auf denen „Nyitva“ (geöffnet) oder „Zárva“ (geschlossen) steht. Diese einfachen Wörter sind Beispiele für das Adverbialpartizip im Ungarischen, das mit den Endungen -va und -ve gebildet wird.Dieses Prinzip wird in vielen alltäglichen Situationen verwendet, um Handlungen oder Zustände zu beschreiben, und ist ein wesentlicher Bestandteil der ungarischen Sprache. Im Folgenden wird erklärt, wie diese Partizipien funktionieren und wie sie in verschiedenen Kontexten eingesetzt werden können.

Im Ungarischen wird das Adverbialpartizip durch die Endungen -va und -ve (abhängig vom der Vokalharmonie) gebildet. Nutze den Stamm des Verbes (z.B. „fut-ni“) und hänge an den Stamm die Endung an (also „fut-va“).

Diese Partizipien spielen eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht, die Art und Weise einer Handlung auszudrücken oder einen Zustand zu beschreiben. Im Folgenden wird erläutert, wie diese Partizipien verwendet werden, und wie sie sich von anderen Formen unterscheiden.

Verwendung als Adverb

Das Adverbialpartizip wird verwendet, um zu beschreiben, wie eine Handlung ausgeführt wird, also in welcher Art und Weise das Verb stattfindet. Dies ähnelt im Deutschen oft einem adverbialen Ausdruck oder einem Partizip Präsens.

Beispiele
  • Nevetve jön hozzánk. – Er kommt lachend zu uns.
    Das Partizip „nevetve“ beschreibt, wie das Ankommen von Lachen begleitet wird.
  • Futva ment a boltba. – Sie ging laufend zum Laden.
    Hier zeigt „futva“ an, dass die Bewegung zum Laden im Laufschritt erfolgte.
  • Olvasva találtam rá. – Ich fand es, während ich las.
    Das Partizip „olvasva“ beschreibt, dass das Finden während des Lesens geschah.
  • Tanulva készült fel. – Er bereitete sich lernend vor.
    „Tanulva“ zeigt an, dass das Vorbereiten durch Lernen stattfand.

Durch diese Konstruktionen lässt sich die genaue Art der Handlung genauer darstellen, wodurch der Satz eine spezifischere Bedeutung erhält.

Verwendung als Adjektiv

Das Adverbialpartizip kann auch als adjektivisches Prädikativ verwendet werden. In dieser Funktion beschreibt es den Zustand eines Objekts oder einer Person und wird stets in Verbindung mit dem Verb „van“ (sein) genutzt.

Wenn das Verb ein Verbalpräfix (wie ki-, fel-, meg-) besitzt, wird dieses im normalen Sprachgebrauch vom Verb getrennt und vor das van gestellt. Die zusammengezogene Form (z. B. kitárva van) wird nur dann genutzt, wenn der Zustand extrem betont werden soll (z. B. als direkte Antwort auf die Frage ‚Ist die Tür offen oder zu?‘).

Beispiele
  • Az ajtó ki van tárva. – Die Tür ist weit geöffnet.
    „Kitárva“ beschreibt den Zustand der Tür.
  • A lámpa fel van kapcsolva. – Die Lampe ist eingeschaltet.
    Das Partizip „felkapcsolva“ zeigt an, dass die Lampe in einem eingeschalteten Zustand ist.
  • A kávé el van készítve. – Der Kaffee ist fertig zubereitet.
    Hier beschreibt „elkészítve“ den Zustand des Kaffees nach der Zubereitung.
  • A levél meg van írva. – Der Brief ist geschrieben.
    Das Partizip „megírva“ zeigt an, dass der Brief in einem fertigen Zustand ist.

In diesen Beispielen wird deutlich, dass das Adverbialpartizip als adjektivisches Prädikativ Zustände beschreibt und nicht wie in seiner adverbialen Funktion eine Handlung näher spezifiziert.

RIta

Meine Meinung zu den wichtigsten Punkten

Im Ungarischen verraten dir die Endungen -va und -ve, wie etwas passiert („sie kommt ‚lachend‘ an“ oder „ich gehe schreiend weg“)  oder wie etwas ist (wie bei „geöffnet“ (nyitva) und „geschlossen“ (zárva)).

Schau dich um und finde Wörter, die so enden und überlege, was sie auf Basis ihres Wortstamms bedeuten könnten.

RIta

Wer schreibt, der bleibt

Schreibe diese Sätze für dich auf, um ein Gefühl für die Verwendung des Adverbialpartizips im Ungarischen zu bekommen.

  1. Nevetve jön hozzánk.
    (Er kommt lachend zu uns.)
  2. Futva ment a boltba.
    (Sie ging laufend zum Laden.)
  3. Olvasva találtam rá.
    (Ich fand es, während ich las.)
  4. Tanulva készült fel.
    (Er bereitete sich lernend vor.)
  5. Az ajtó ki van tárva.
    (Die Tür ist weit geöffnet.)
  6. A levél meg van írva.
    (Der Brief ist geschrieben.)
RIta

Beispielsätze

  • A kávé el van készítve, de a cukor még nem került bele.
    (Der Kaffee ist fertig zubereitet, aber der Zucker wurde noch nicht hinzugefügt.)
  • A gyerekek futva érkeztek haza az iskolából, mert esni kezdett az eső.
    (Die Kinder kamen laufend aus der Schule nach Hause, weil es zu regnen begann.)
  • A lámpa fel van kapcsolva, de még mindig sötét van a szobában.
    (Die Lampe ist eingeschaltet, aber es ist immer noch dunkel im Zimmer.)
  • A levél meg van írva, és holnap el fogom küldeni. (Der Brief ist geschrieben, und ich werde ihn morgen abschicken.)
    Zusatz-Tipp: Diese Form ist grammatikalisch richtig, um den Zustand zu beschreiben. Das Ungarische vermeidet Passivkonstruktionen jedoch oft und bevorzugt aktive Formulierungen. Noch natürlicher klingt es daher so: Megírtam a levelet, és holnap el fogom küldeni. (Ich habe den Brief geschrieben und werde ihn morgen abschicken.)
  • A ház ajtaja ki van tárva, de senki nincs otthon.
    (Die Tür des Hauses ist weit geöffnet, aber niemand ist zu Hause.)
RIta