Das wichtigste ungarische Verb: „van/lenni“ (sein)
Nicht nur "ich bin" und "Du bist" ...
Die Konjugation von „van“ im Präsens
Beginnen wir mit der Präsensform des Verbs „van“. Im Ungarischen übernimmt „van“ die Funktion des deutschen „sein“. Es wird verwendet, um Existenz, Anwesenheit oder das Befinden auszudrücken. In der ersten Person Singular sagt man „vagyok“ (ich bin), während in der zweiten Person Singular „vagy“ (du bist) verwendet wird. In der dritten Person Singular lautet die Form „van“, jedoch wird sie oft weggelassen, wenn sie nur als Kopula dient, also wenn sie zwei Nominative verbindet.
Für die erste Person Plural verwendet man „vagyunk“ (wir sind), die zweite Person Plural lautet „vagytok“ (ihr seid) und die dritte Person Plural „vannak“, wobei auch hier „vannak“ oft weggelassen wird, wenn es lediglich als Verbindungselement fungiert.
Ein besonderes Merkmal der ungarischen Sprache ist, dass die Personalpronomen in der Regel weggelassen werden, da die Verbendungen bereits die Person und die Zahl eindeutig anzeigen. So wird „vagyok“ alleinstehend als „ich bin“ verstanden, ohne dass „én“ (ich) explizit genannt werden muss. Lediglich zur Betonung kann das Pronomen hinzugefügt werden.
Das Weglassen von „van“ und „vannak“ als Verbindungswort
Ein interessantes Phänomen tritt in der dritten Person auf, wenn „van“ oder „vannak“ als Verbindungswort zwischen Subjekt und Prädikativum, verwendet wird. In der Gegenwartsform wird „van“ oder „vannak“ in solchen Fällen einfach weggelassen. Das bedeutet, dass in Sätzen wie „Das ist ein Buch“ („Ez könyv“) das „ist“ nicht übersetzt wird.
Beispiele, bei denen „van“ oder „vannak“ weggelassen wird, sind
- „Ez könyv.“ – Das ist ein Buch.
- „Az szék.“ – Das ist ein Stuhl.
Das Fehlen des Verbs in diesen Sätzen verwirrt oft Lernende, ist jedoch eine gängige Praxis im Ungarischen. Die Bedeutung des Satzes bleibt ohne das Verb vollständig erhalten.
Besitzaussagen im Ungarischen: Die Verwendung von „van“
Im Ungarischen gibt es kein direktes Verb für „haben“ wie im Deutschen. Stattdessen drückt man Besitz durch eine Kombination aus Dativkonstruktionen und dem Verb „van“ bzw. „vannak“ aus. Hierbei wird der Besitzer in den Dativ gesetzt, und das besessene Objekt erhält ein Possessivsuffix, das die Person des Besitzers anzeigt.
Zum Beispiel sagt man
- „Nekem van egy macskám.“ – Ich habe eine Katze.
- „Neked nincs pénzed.“ – Du hast kein Geld.
- „A barátomnak nagy háza van.“ – Mein Freund hat ein großes Haus.
Hierbei ist es wichtig zu verstehen, dass das Substantiv „macskám“ (meine Katze) das Possessivsuffix „-m“ erhält, das anzeigt, dass die Katze „mir“ gehört. Das Verb „van“ zeigt an, dass dieser Besitz tatsächlich existiert.
Diese Verwendung kannst Du Dir gerne in weiteren Artikeln in unserem Kurs anschauen. Der erste davon, der die darauf aufbauenden verlinkt, ist Man hat nicht“: Der Besitz im Ungarischen (Teil 1)
Die Vergangenheit von „van“: „volt“
Um vergangene Zustände oder Besitzverhältnisse auszudrücken, verwendet das Ungarische das Verb „volt“ als Vergangenheitsform von „van“. Diese Form wird für alle Personen verwendet und ist vergleichbar mit dem deutschen „war“.
Beispiele
- „Én voltam ott.“ – Ich war dort.
- „Te voltál a boltban.“ – Du warst im Laden.
- „Ő volt a legjobb tanár.“ – Er/Sie war der beste Lehrer.
- „Mi voltunk a moziban.“ – Wir waren im Kino.
- „Ti voltatok a parkban.“ – Ihr wart im Park.
- „Ők voltak a koncerten.“ – Sie waren auf dem Konzert.
Das Verb „volt“ wird genauso verwendet wie „van“, jedoch wird es durch den Kontext klar, dass es sich um vergangene Ereignisse handelt.
Verneinung von „van“: „nincs“ und „nincsenek“
Die Verneinung von „van“ im Ungarischen erfolgt nicht einfach durch das Hinzufügen von „nem“ (nicht), sondern durch spezielle Verneinungsformen. Wenn man „van“ verneint, verwendet man „nincs“ für Singular und „nincsenek“ für Plural.
Beispiele
- „Nincs itt.“ – Er/Sie/Es ist nicht hier.
- „Nincsenek gyerekek a parkban.“ – Es sind keine Kinder im Park.
- „Nekem nincs pénzem.“ – Ich habe kein Geld.
- „Neked nincsenek barátaid?“ – Hast du keine Freunde?
In der Vergangenheit wird „nincs“ durch „nem volt“ ersetzt, zum Beispiel:
- „Nem volt otthon.“ – Er/Sie war nicht zu Hause.
- „Nem volt pénzünk.“ – Wir hatten kein Geld.
„Lesz“: Die Zukunft von „van“
Um über zukünftige Zustände zu sprechen, wird im Ungarischen das Verb „lesz“ verwendet. „Lesz“ entspricht dem deutschen „werden sein“ und ist die Zukunftsform von „van“. Es wird für alle Personen verwendet, ähnlich wie „van“ im Präsens oder „volt“ in der Vergangenheit.
Beispiele
- „Holnap leszek ott.“ – Ich werde morgen dort sein.
- „Lesz egy új házunk.“ – Wir werden ein neues Haus haben.
- „Ez lesz a legjobb nap.“ – Das wird der beste Tag sein.
Meine Meinung zu den wichtigsten Punkten
Wer schreibt, der bleibt
Schreibe diese Sätze für dich auf, um ein Gefühl für die Verwendung von „van“, „volt“ und „lesz“ im Ungarischen zu bekommen.
- Ez könyv.
(Das ist ein Buch.) - Nekem van egy macskám.
(Ich habe eine Katze.) - Nincs itt.
(Er/Sie/Es ist nicht hier.) - Én voltam ott.
(Ich war dort.) - Lesz egy új házunk.
(Wir werden ein neues Haus haben.) - Neked nincs pénzed.
(Du hast kein Geld.)
Beispielsätze
- A barátomnak nagy háza van, de nekem nincs pénzem új házra.
(Mein Freund hat ein großes Haus, aber ich habe kein Geld für ein neues Haus.) - Holnap leszek ott, hogy segítsek neked az új projektben.
(Ich werde morgen dort sein, um dir bei dem neuen Projekt zu helfen.) - Tegnap voltunk a moziban, és nagyon jó film volt.
(Gestern waren wir im Kino, und der Film war sehr gut.) - Nincsenek gyerekek a parkban, mert esik az eső.
(Es sind keine Kinder im Park, weil es regnet.) - Ez lesz a legfontosabb találkozó az egész évben.
(Das wird das wichtigste Treffen des ganzen Jahres sein.)