Euro- und/oder Forint-Konto
Wenn du in Ungarn lebst oder auch nur öfter hier bist, wirst du schnell merken, dass du an einem sinnvollen Verwalten der beiden Währungen Euro (€) und Forint (Ft) kaum vorbei kommst. Gehälter und Mieten werden oft in Forint gezahlt, während du vielleicht Ersparnisse in Euro hast oder Geld aus dem Ausland, z.B. von der Rentenkasse, erhältst.
Die logische Schlussfolgerung? Du überlegst ein Konto für beide Währungen anzulegen. Aber wie gehst du das am besten an, ohne bei jedem Umtausch bares Geld zu verlieren? Dieser Artikel ist dein Wegweiser durch den Dschungel der Bankgebühren und Wechselkurse. Wir schauen uns die traditionellen ungarischen Banken an und vergleichen sie mit modernen Alternativen wie Wise und Revolut.
Die klassische Lösung: Euro- und Forint-Konto bei einer ungarischen Bank
Zuerst die gute Nachricht: Nahezu jede große Bank in Ungarn bietet Dir an, neben einem Forint-Konto auch ein separates Euro-Konto zu führen. Das ist unkompliziert und du hast alles unter einem Dach. Zu den bekanntesten Banken gehören:
- OTP Bank
- K&H Bank
- Erste Bank
- Raiffeisenbank
- CIB Bank
- UniCredit Bank
Du kannst also bei Deiner ungarischen Hausbank einfach ein HUF- und ein EUR-Konto eröffnen. Das ist praktisch, um zum Beispiel Euro-Beträge aus dem Ausland ohne automatische Umrechnung zu empfangen. Dabei solltest du sehr gut überlegen, wo du das Konto anlegst und auch wissen, dass einige Banken auch kostenlose Kontenmodelle anbieten. Einen Vergleichsrechner bzw. eine kostenlose Beratung bekommst du z.B. auf https://bankmonitor.hu/bankszamla/
Das Problem: Die versteckten Kosten der Bequemlichkeit
Jetzt kommt der Haken, den du unbedingt kennen musst. Die Bequemlichkeit, alles bei einer Bank zu haben, hat ihren Preis – und der versteckt sich oft im Kleingedruckten.
1. Die Bareinzahlung von Euro: Stell Dir vor, du kommst mit Euro-Bargeld nach Ungarn und möchtest es auf Dein neues Euro-Konto einzahlen. Die meisten Banken erheben dafür, wenn sie überhaupt Euro annehmen, eine Gebühr. Das ist oft ein prozentualer Anteil des eingezahlten Betrags (z.B. 0,5 %). Bei 5.000 € wären das schon 25 €, die direkt wieder weg sind.
2. Der teure Umtausch: Die größte Kostenfalle! Der wirklich kritische Moment ist der Währungsumtausch. Ein perfektes Beispiel dafür ist der monatliche Renteneingang aus Deutschland oder Österreich. Hier gibt es zwei typische Szenarien, die beide teuer sind:
- Szenario A: Deine Rente kommt auf Dein Euro-Konto in Ungarn an. Der SEPA-Transfer in Euro ist meistens kostenlos. Super, denkst du. Aber um deine Miete und Einkäufe in Forint zu bezahlen, musst du das Geld intern von Deinem Euro- auf Dein Forint-Konto umbuchen. Und genau in diesem Moment schlägt die Bank zu: Sie wendet ihren eigenen, schlechten Wechselkurs an. Jeden Monat verlierst du so einen Teil Deiner Rente an die Bank.
- Szenario B: Du lässt Deine Rente direkt auf Dein Forint-Konto überweisen. Das klingt einfacher, ist aber keine Lösung. Wenn die Überweisung in Euro aus Deutschland kommt, rechnet Deine ungarische Bank den Betrag automatisch in Forint um, bevor er Deinem Konto gutgeschrieben wird. Welchen Kurs verwendet sie dafür? Richtig, wieder ihren eigenen, für Dich ungünstigen Ankaufskurs. Du gibst die Kontrolle über den Umtausch aus der Hand, aber das Ergebnis bleibt dasselbe.
Das Fazit ist ernüchternd: Egal, welchen Weg Deine Rente nimmt, sobald eine traditionelle ungarische Bank involviert ist, um Euro in Forint zu wechseln, bekommst du weniger für Dein Geld.
- Der Trick mit dem Wechselkurs: Banken nutzen nicht den offiziellen „Devisenmittelkurs“ (den du z.B. hier oben auf der Seite oder bei Google siehst). Stattdessen haben sie einen „Ankaufskurs“ und einen „Verkaufskurs“ (wie du es sicher schon mal bei Wechselstuben gesehen hast). Wenn du Euro in Forint tauschen willst, kauft die Bank Deine Euro an – natürlich zu einem Kurs, der für Dich schlechter ist als der Mittelkurs. Die Differenz ist der Gewinn der Bank. Bei einer Rente von z.B. 1.500 € können das monatlich schnell 15-30 € sein, die einfach verschwinden.
- Zusätzliche Gebühren: Manchmal kommt auf den schlechten Wechselkurs noch eine separate Bearbeitungs- oder Konvertierungsgebühr obendrauf.
Das bedeutet konkret: Auch wenn du ein Euro-Konto und ein Forint-Konto bei derselben Bank hast, ist die interne Umbuchung von Deinem Euro- auf Dein Forint-Konto eine kostenpflichtige Währungsumrechnung! Du verlierst bei jedem dieser internen Transfers Geld durch den Wechselkurs der Bank.
Die moderne Alternative: Wise und Revolut als „Wechselstube“
Hier kommen FinTech-Unternehmen wie Wise und Revolut ins Spiel. Sie haben den internationalen Geldtransfer revolutioniert, indem sie genau dieses Problem der teuren Wechselkurse lösen.
So funktionieren Wise und Revolut
Beide Dienste bieten sogenannte Multi-Währungs-Konten an. Das bedeutet, du kannst in einer einzigen App Guthaben in Dutzenden Währungen halten – also auch in Euro und Forint gleichzeitig.
Der entscheidende Vorteil: Der Wechselkurs.
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Wise: Wise ist berühmt für seine Transparenz. Sie nutzen immer den echten Devisenmittelkurs und zeigen Dir ihre geringe Umtauschgebühr (meist zwischen 0,4 % und 1 %) klar und deutlich an, bevor du die Transaktion bestätigst. Es gibt keine versteckten Aufschläge im Kurs.
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Revolut: Revolut verwendet ebenfalls einen Wechselkurs, der sehr nahe am echten Interbankenkurs liegt. Im kostenlosen Standard-Abo gibt es ein monatliches Limit für den kostenfreien Umtausch (z.B. 1.000 €). Überschreitest du dieses Limit, fällt eine geringe Gebühr (ca. 0,5 %) an. Wichtig: Am Wochenende, wenn die Devisenmärkte geschlossen sind, schlägt Revolut eine zusätzliche Gebühr auf den Kurs auf, um sich gegen Schwankungen abzusichern. Tausche also am besten unter der Woche.
Die smarte Strategie für Auswanderer
Wie nutzt du das nun am besten für Dein Leben in Ungarn? Ganz einfach: du kombinierst das Beste aus beiden Welten.
- Eröffne ein Konto bei Wise oder Revolut: Dies wird Dein zentrales Konto für den Währungsumtausch. Hier kannst du Euro empfangen oder einzahlen.
- Eröffne ein Forint-Konto bei einer ungarischen Bank: Dieses Konto brauchst du für den Alltag, für Lastschriften, Gehaltseingänge oder um Rechnungen vor Ort zu bezahlen.
- Der Geldfluss:
- Du erhältst Euro auf Dein Wise- oder Revolut-Konto.
- Wenn du Forint brauchst, tauschst du den gewünschten Betrag innerhalb der App von Euro in Forint um – zum fairen Wechselkurs.
- Anschließend überweist du die Forint von Deinem Wise-/Revolut-Konto auf Dein ungarisches Bankkonto. Da es sich um eine normale Forint-Überweisung handelt, ist sie meist kostenlos oder sehr günstig.
Mit dieser Methode umgehst du die teuren Wechselkurse der traditionellen Banken komplett und sparst bei jedem Umtausch bares Geld.
Direkter Vergleich: Wer kann was besser?
Wenn du dir die Frage stellst, ob eine traditionelle ungarische Bank oder ein moderner Dienst wie Wise oder Revolut besser für dich ist, lautet die Antwort: Je nachdem wieviel du an Geld abheben oder überweisen möchtest, brauchst du ggf. beides! Die beiden sind keine direkten Konkurrenten, sondern erfüllen unterschiedliche Zwecke. Sie ergänzen sich perfekt, wenn du sie richtig einsetzt.
Stell dir eine traditionelle ungarische Bank als deine finanzielle „Heimatbasis“ in Ungarn vor. Für alles, was dein Leben vor Ort in Forint betrifft, macht sie durchaus Sinn, wenn du ein günstiges (oder gar kostenloses) Kontomodell hast. Dein Gehalt, wenn du in Ungarn arbeitest wird hier in Forint eingehen, deine Miete wird per Dauerauftrag abgebucht und im Supermarkt bezahlst du selbstverständlich mit der Forint-Debitkarte deiner Bank. Sie ist fest in der lokalen Infrastruktur verankert und bietet dir die Sicherheit und die Dienstleistungen, die du für den Alltag benötigst.
Sobald aber der Euro ins Spiel kommt, zeigt die traditionelle Bank ihre große Schwäche. Sie verwandelt sich in eine teure Wechselstube. Jeder Umtausch von Euro in Forint, sei es eine Überweisung oder eine interne Umbuchung, wird zu ihren eigenen, ungünstigen Konditionen durchgeführt. Der Wechselkurs enthält eine für dich unsichtbare Marge, die einen erheblichen Teil deines Geldes kostet. Die mangelnde Transparenz macht es schwer, die wahren Kosten zu durchschauen – du siehst am Ende nur, dass weniger Forint auf deinem Konto ankommen als erwartet.
Genau hier kommen Wise und Revolut ins Spiel. Sie sind die Spezialisten für die Überwindung von Währungsgrenzen. Ihre gesamte Existenz basiert darauf, internationale Transfers und Währungsumtäusche fair, transparent und extrem kostengünstig zu gestalten. Anstatt undurchsichtige Wechselkurse zu verwenden, bieten sie dir den echten Devisenmittelkurs (oder einen Kurs, der nur minimal davon abweicht). Die geringe Gebühr für den Tausch wird dir immer klar und deutlich im Voraus angezeigt. Es gibt keine bösen Überraschungen. Wise und Revolut sind also das perfekte Werkzeug, um deine Euros aus dem Ausland mit minimalen Verlusten in die Forint umzuwandeln, die du in Ungarn zum Leben brauchst.
Die smarteste Strategie ist also nicht „entweder/oder“, sondern „sowohl/als auch“. Nutze die Stärken beider Systeme: Die ungarische Bank als Anker für dein Leben in Forint und Wise oder Revolut als schnelle, günstige und transparente Brücke, um dein Geld aus der Euro-Welt nach Ungarn zu bringen.
Nicht vergessen dürfen wir in dem ganzen Konstrukt natürlich nicht das Abheben von Geld am Automaten. Denn je nachdem, welche Summen das sind, muss man da auch mal rechnen. Wir haben es in einem extra Artikel aufgeschlüsselt: Geldautomaten in Ungarn.
Fazit: Clever kombinieren und sparen
Für Deinen Start in Ungarn lautet die klare Empfehlung: Verlasse Dich nicht allein auf eine traditionelle Bank für den Währungsumtausch. Die Bequemlichkeit, alles unter einem Dach zu haben, bezahlst du mit hohen, versteckten Gebühren bei jeder Umrechnung von Euro in Forint – selbst wenn es sich nur um eine Umbuchung zwischen Deinen eigenen Konten handelt.
Die smarteste und günstigste Methode, wenn du mal längere Zeit hier bist ist die Kombination. Für ein paar wenige Zahlungen oder Abhebungen anfangs, kann auch das Konto bei einer NeoBank ausreichen:
- Nutze Wise oder Revolut als Deine persönliche, faire Wechselstube. Je höher die Beträge desto mehr Sinn macht es Revolut mit einem monatlichen Abo (z.B. Premium oder Metal) zu verwenden.
- Führe ein lokales Forint-Konto bei einer ungarischen Bank für den täglichen Zahlungsverkehr und die Abhebungen. Wähle das Konto sinnvollerweise schon danach aus, wieviele Überweisungen oder Abhebungen du monatlich geplant hast.
So behältst du die Kontrolle über Deine Finanzen und stellst sicher, dass von Deinen hart verdienten Euros so viele Forint wie möglich in Deiner Tasche ankommen. Willkommen in Ungarn!