Wohnung oder Haus mieten in Ungarn

Wenn Du nach Ungarn auswanderst oder bereits hier lebst, stehst Du vielleicht vor der Frage: Mieten oder Kaufen? Während Eigentum in Ungarn sehr verbreitet ist – über 90 % der Menschen leben im eigenen Haus – ist das Angebot an Mietobjekten deutlich kleiner als in Deutschland. Besonders auf dem Land wirst Du schnell merken: Mietwohnungen oder -häuser sind selten und werden oft nur im Dorf persönlich vermittelt.

Mieten auf dem Land – eine Ausnahme, keine Regel

In ländlichen Regionen ist es ganz normal, dass Familien seit Generationen im eigenen Haus leben. Deshalb gibt es hier kaum klassische Mietmärkte wie in Deutschland. Wenn Du dennoch zur Miete wohnen möchtest, musst Du aktiv suchen – am besten direkt vor Ort. Oft erfährst Du über Nachbarn, Aushänge oder lokale Kontakte, ob ein Haus leer steht. Die Chancen sind besser, wenn Du offen auf die Leute zugehst.

In Städten ist Mieten einfacher – aber teurer

In Budapest, Debrecen oder Győr findest Du Wohnungen zur Miete auch online – z. B. über ingatlan.com. Die Preise unterscheiden sich deutlich:

  • In Budapest kostet eine 50 m²-Wohnung etwa 240.000 Forint (ca. 620 €) monatlich.

  • In kleineren Städten sind es oft nur 100.000–150.000 Forint.

  • Auf dem Land kannst Du ein einfaches Haus teils schon für 80.000 Forint (ca. 210 €) mieten – wenn Du eines findest.

Mietpreise sind grundsätzlich Verhandlungssache – einen gesetzlichen Mietspiegel oder Mieterschutz wie in Deutschland gibt es nicht.

Kaution, Vertrag & Nebenkosten

In Ungarn ist ein schriftlicher Mietvertrag zwar nicht Pflicht, aber unbedingt zu empfehlen – idealerweise zweisprachig (Ungarisch–Deutsch oder –Englisch). Üblich ist eine Kaution von zwei Monatsmieten, die Du zusammen mit der ersten Miete vor Einzug zahlst.

Nebenkosten (Gas, Strom, Wasser, Müll, Internet) sind meist nicht in der Miete enthalten. Du schließt die Verträge oft selbst mit den Versorgern ab – kläre das vorher mit dem Vermieter.

Die Kündigungsfrist beträgt meist 1,5 Monate, bei befristeten Verträgen kannst Du oft nur zum Ablauf kündigen.

Häufige Unterschiede zum deutschen Wohnstandard

Viele Mietobjekte – gerade auf dem Land – sind einfach ausgestattet, nicht isoliert oder nur mit Holzofen beheizbar. Fragen zur Ausstattung (Heizung, Küche, Möbel) solltest Du vorab klären. Es ist nicht unüblich, dass Du selbst Möbel oder sogar eine Küche mitbringen musst. Manche Vermieter erwarten auch kleinere Instandhaltungen durch den Mieter – sprich das vorher ab.

Anmeldung und Wohnsitzkarte

Wenn Du länger als 90 Tage in Ungarn bleibst, musst Du Dich offiziell anmelden und bekommst eine Wohnkarte (lakcímkártya). Dafür brauchst Du einen gültigen Mietvertrag – und den Vermieter, der Deine Anmeldung bestätigt. Ohne diese Karte kannst Du z. B. kein Auto anmelden oder ein Bankkonto eröffnen.

Achte deshalb darauf, dass Dein Vermieter Dich nicht nur „inoffiziell“ wohnen lässt, sondern auch bereit ist, die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt zu unterstützen.

Wo findest Du Mietobjekte?

  • Online-Portale: www.ingatlan.com, jofogas.hu, www.otthonterkep.hu, www.rentola.hu, www.alberlet.hu

  • Makler: Besonders in Städten und Touristengegenden wie dem Balaton helfen auch Immobilienmakler. Bitte achte auf deren Bewertungen!

  • Lokal: In Dörfern oder Kleinstädten läuft vieles über persönliche Kontakte. Achte auf „KIADÓ“-Schilder oder frage direkt im Ort.

Fazit

Wenn Du in Ungarn zur Miete wohnen willst, solltest Du Dich gut vorbereiten. Besonders auf dem Land ist Mieten eher die Ausnahme, nicht die Regel. Aber mit etwas Geduld, Offenheit und guten Kontakten findest Du auch ohne Eigentum ein Zuhause. Und wer weiß – vielleicht ziehst Du später doch noch den Kauf in Betracht?

Markus Messemer