günstig Führerschein machen

Wenn Du nach Ungarn gezogen bist und den Wunsch hast, (vergleichsweise) günstig und effizient den Führerschein zu machen, bietet Dir das Land dafür attraktive Möglichkeiten. Der in Ungarn ausgestellte Führerschein ist ein vollwertiger EU-Führerschein und wird in der gesamten Europäischen Union – also auch in Deutschland und Österreich – uneingeschränkt anerkannt.

Damit der Prozess reibungslos abläuft, gibt es allerdings einige wichtige Voraussetzungen und Abläufe, die speziell für Personen mit Wohnsitz in Ungarn gelten.

1. Wohnsitznachweis: Dein erster Schritt

Die wichtigste Voraussetzung für den Führerscheinerwerb in Ungarn ist die Begründung eines ordentlichen Wohnsitzes. Der erste und unerlässliche Schritt hierfür ist die Beantragung der ungarischen Adresskarte, der sogenannten Lakcímkártya. Diese kannst du bereits kurz nach deiner Ankunft erhalten, sobald du eine Wohnung mietest oder kaufst und deinen Wohnsitz offiziell anmeldest.

Unabhängig von der Adresskarte greift jedoch die EU-weite 185-Tage-Regel. Diese besagt, dass du einen Führerschein nur in dem Land erwerben kannst, in dem du deinen ‚ordentlichen Wohnsitz‘ hast, also der Ort, an dem du dich für mindestens 185 Tage im Kalenderjahr aufhältst. Während die Lakcímkártya dir also die Tür zur Fahrschule öffnet, muss die 185-Tage-Aufenthaltsdauer in der Regel spätestens zum Zeitpunkt der Ausstellung des Führerscheins erfüllt sein, damit die Behörde die Fahrerlaubnis rechtmäßig ausstellen kann.

Ferner wichtig zu wissen: Falls Dir in einem anderen EU-Land die Fahrerlaubnis entzogen wurde, kannst Du in Ungarn keinen neuen Führerschein machen.

2. Die passende Fahrschule finden

Sobald Du Deinen Wohnsitz offiziell nachgewiesen hast, kannst Du Dich für eine Fahrschule entscheiden. In größeren Städten wie Budapest gibt es viele Anbieter, die auf internationale Kunden spezialisiert sind. Dort kannst Du den gesamten Ablauf auch auf Deutsch oder Englisch erledigen.

Die Anmeldung funktioniert meist ganz unkompliziert – online, telefonisch oder direkt vor Ort. Die Fahrschule begleitet Dich durch den gesamten Prozess: Sie hilft Dir bei der Organisation der ärztlichen Tauglichkeitsuntersuchung und meldet Dich zum Erste-Hilfe-Kurs (Elsősegélynyújtó tanfolyam) an, der ebenfalls Pflicht ist.

3. Theorie und Praxis: So läuft die Ausbildung ab

Die Ausbildung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Die Theorie – in Ungarn KRESZ-Kurs genannt – wird inzwischen fast überall als E-Learning angeboten. Du bekommst Zugang zu einem Online-Portal und kannst die Inhalte flexibel von zu Hause aus lernen.

Die anschließende Theorieprüfung legst Du an einem Computer im offiziellen Prüfzentrum ab. Auch das geht problemlos auf Deutsch oder Englisch. Wenn Du die Prüfung bestehst, hast Du zwei Jahre Zeit, um die praktische Ausbildung zu absolvieren.

Zur Praxis gehören mindestens 29 Fahrstunden und eine Fahrleistung von mindestens 580 Kilometern. Die Termine kannst Du in der Regel flexibel mit Deiner Fahrlehrerin oder Deinem Fahrlehrer abstimmen. Nach der praktischen Ausbildung folgt die Fahrprüfung. Je nach Deinem Lerntempo und der Verfügbarkeit von Prüfungsterminen dauert der gesamte Prozess in der Regel mehrere Monate.

Gut zu wissen: Das in Deutschland bekannte „Begleitete Fahren ab 17“ gibt es in Ungarn nicht. Du kannst frühestens mit 16,5 Jahren mit dem Theoriekurs beginnen, aber die praktische Prüfung erst mit 17 Jahren ablegen.

4. Was kostet der Führerschein in Ungarn?

Die früher oft genannten 300 bis 600 Euro sind längst überholt. Aktuell musst Du mit 350.000 bis 500.000 Forint rechnen – das entspricht etwa 900 bis 1.250 Euro. Diese Summe setzt sich zusammen aus:

  • den Gebühren für den Theoriekurs (KRESZ),
  • den praktischen Fahrstunden,
  • den Prüfungsgebühren,
  • den Kosten für die ärztliche Untersuchung
  • sowie für den Erste-Hilfe-Kurs.

Je nach Fahrschule und Region können die Preise leicht variieren.

5. Finanzielle Unterstützung für junge Menschen

Wenn Du unter 20 Jahre alt bist, kannst Du eine staatliche Förderung in Anspruch nehmen. Nach bestandener Theorieprüfung bekommst Du 25.000 Forint (etwa 65 Euro) zurück – ein kleiner, aber hilfreicher Zuschuss zu den Ausbildungskosten.

Markus Messemer