Die Nutzung von Drohnen in Ungarn – Ein umfassender Guide
Hallo! Wenn du als Auswanderer nach Ungarn ziehst oder schon hier bist, ist die Nutzung von Drohnen sicher ein spannendes Thema für dich. Ob du atemberaubende Luftaufnahmen von Budapest machen möchtest, Videos für deinen Blog drehst oder einfach nur als Hobby fliegst – Ungarn bietet tolle Möglichkeiten, aber auch Regeln, die teils strenger sind als im restlichen Europa.
In diesem Artikel erkläre ich dir alles Wichtige mit Schwerpunkt auf Videoaufnahmen. Die Basis bilden die EU-Vorschriften sowie die spezifischen nationalen ungarischen Gesetze, die einige entscheidende Besonderheiten aufweisen. So kannst du sicher und legal starten.
Achtung: Dieser Artikel dient der ersten Orientierung. Die Rechtslage kann sich ändern. Konsultiere vor jedem Flug die offiziellen Quellen der ungarischen Luftfahrtbehörde (Légügyi Hivatal) und nutze die App mydronespace.
Allgemeines Drohnenfliegen in Ungarn: Die Grundlagen
Zuerst die Basics: Ungarn folgt als EU-Mitglied den gemeinsamen Regeln der EASA. Es gibt drei Kategorien: Open (offen), Specific (speziell) und Certified (zertifiziert). Für Privatpersonen und Hobbyfilmer ist meist die Open-Kategorie der Ausgangspunkt.
Du bewegst dich nach EU-Recht in der Open-Kategorie, wenn:
-
Deine Drohne weniger als 25 kg wiegt.
-
Du sie immer in Sichtweite hast (VLOS).
-
Du nicht höher als 120 Meter über Grund fliegst.
-
Du angemessene Abstände zu Menschen und Gebäuden einhältst.
Drohnen werden in Klassen (C0 bis C4) eingeteilt. Wichtig: Ältere Drohnen ohne Cx-Label („Legacy Drohnen“) fallen unter Übergangsregeln.
1. Registrierung und Kompetenznachweis sind Pflicht!
-
Registrierung: Jeder Betreiber einer Drohne mit Kamera (oder einer Drohne über 250g) muss sich registrieren. Das geschieht online bei der ungarischen Luftfahrtbehörde. Du erhältst eine EU-weite eID, die gut sichtbar an deiner Drohne angebracht werden muss.
-
Kompetenznachweis: Fast immer musst du einen Online-Theorietest absolvieren. Für die meisten Hobbyflüge (Klassen A1/A3) ist der kostenlose Basistest ausreichend. Willst du mit größeren Drohnen näher an Menschen fliegen (Kategorie A2), ist ein weiterführendes Zertifikat nötig.
2. Versicherung ist obligatorisch!
Jede Drohne benötigt eine Haftpflichtversicherung. Die gesetzliche Mindestdeckungssumme variiert je nach Drohnengewicht (für leichte Drohnen oft ab ca. 3–5 Millionen HUF). Prüfe unbedingt, ob deine Police auch in Ungarn gültig ist und ob sie eine kommerzielle Nutzung abdeckt, falls du mit deinen Videos Geld verdienen möchtest (z. B. YouTube-Monetarisierung).
3. Die entscheidende ungarische Besonderheit: Die App „mydronespace“
Die App mydronespace (von HungaroControl) ist in Ungarn Pflicht.
-
Funktion: Sie zeigt dir Sperrgebiete (No-Fly Zones) und du musst dort deinen Flug vor Beginn „einchecken“ (markieren).
-
Hürde für Auswanderer: Um die App voll nutzen zu können, benötigst du oft einen Zugang zum ungarischen Bürgerportal „Ügyfélkapu“. Diesen erhältst du meist erst, wenn du eine Wohnsitzkarte hast und dich persönlich im Regierungsbüro (Kormányablak) registriert hast. Ohne Ügyfélkapu ist die legale Nutzung der App oft schwierig.
Wo darf ich filmen? Der große „Lakott Terület“-Fallstrick
Hier weicht Ungarn streng von der gängigen Praxis anderer EU-Länder ab. Das ist der wichtigste Punkt für dich:
Außerhalb besiedelter Gebiete (z. B. Felder, Wiesen): Hier greifen die normalen Regelungen. Du kannst in der Open-Kategorie A3 fliegen, solange du die App nutzt und keine Sperrzone verletzt. Das ist recht unkompliziert.
In besiedelten Gebieten (Städte, Dörfer – „Lakott terület“): Das ungarische Luftfahrtgesetz definiert den Luftraum über bewohntem Gebiet grundsätzlich nicht als „frei“.
-
Die strenge Regel: Um legal über bewohntem Gebiet zu fliegen (selbst mit einer Mini-Drohne < 250g im eigenen Garten!), musst du theoretisch immer einen „Eseti Légtér“ (temporär reservierten Luftraum) beantragen.
-
Der Prozess: Dieser Antrag muss beim Verteidigungsministerium gestellt werden, kostet Gebühren und braucht mindestens 30 Tage Vorlauf. Die Genehmigung gilt dann nur für einen begrenzten Zeitraum (max. 7 Tage).
-
Die Realität: Ohne diesen „Eseti Légtér“ ist das Fliegen in der Stadt technisch gesehen ein Ordnungswidrigkeit, auch wenn du die EU-Sicherheitsregeln (A1) einhältst. Viele Hobby-Piloten ignorieren das Risiko, aber als Auswanderer solltest du wissen: Wenn etwas passiert oder dich jemand anzeigt, bist du ohne diese Genehmigung im Unrecht.
Datenschutz ist nicht verhandelbar!
Ungarn hat extrem strenge Gesetze zum Schutz der Privatsphäre.
-
Du darfst nicht ohne Erlaubnis fremde Grundstücke filmen.
-
Achte penibel darauf, dass keine Personen ohne Einwilligung erkennbar sind.
-
Veröffentliche Aufnahmen nur, wenn Gesichter und Kennzeichen unkenntlich gemacht wurden oder eine Einwilligung vorliegt. Verstöße können zivilrechtlich teuer werden.
Zusammenfassung: Dein Aktionsplan
-
Registriere dich als Betreiber bei der Luftfahrtbehörde.
-
Mache den Online-Test (A1/A3).
-
Schließe eine Versicherung ab.
-
Besorge dir den Ügyfélkapu-Zugang, um die App mydronespace nutzen zu können.
-
Vorsicht in Städten: Sei dir bewusst, dass für Flüge über Wohngebieten offiziell ein langwieriger Antrag („Eseti Légtér“) nötig ist. Für spontane Flüge weiche lieber auf unbewohnte Gebiete in der Natur aus.
-
Privatsphäre achten: Filme nie in Nachbars Garten.
Mit diesem Wissen und dem nötigen Respekt vor den strengen Regeln kannst du Ungarn sicher aus der Luft entdecken. Viel Spaß und guten Flug!