Die berühmtesten Ungarn

25 berühmte Ungarn, deren Namen man kennen sollte

Petőfi, Kossuth, Széchenyi oder Rákóczi – wer durch Ungarn fährt, begegnet diesen Namen beinahe überall. Sie stehen auf Straßenschildern, an Schulen, auf Denkmälern und über den Eingängen öffentlicher Gebäude. Doch wer waren diese Menschen eigentlich? Und warum sind sie den Ungarn bis heute so wichtig?

Hinter den Namen verbergen sich Dichter, Könige, Freiheitskämpfer, Wissenschaftler und Erfinder. Einige haben die ungarische Geschichte unmittelbar geprägt. Andere wurden weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und haben Entwicklungen angestoßen, die unser Leben bis heute beeinflussen. Manche Verbindungen sind offensichtlich, wie der Rubik-Würfel oder die Fußballlegende Ferenc Puskás. Andere überraschen: Der Erfinder des modernen Kugelschreibers stammte aus Ungarn, ebenso einer der berühmtesten Entfesselungskünstler der Welt. Und die Grundlagen der heutigen medizinischen Händehygiene gehen wesentlich auf einen Arzt aus Buda zurück.

Für Menschen, die in Ungarn leben, lohnt es sich besonders, diese Persönlichkeiten kennenzulernen. Denn mit etwas Hintergrundwissen werden aus den ungarischen Namen auf den Straßenschildern plötzlich Menschen mit einer Geschichte. Die folgenden 25 Persönlichkeiten gehören zu den bekanntesten Namen aus der ungarischen Geschichte. Die Auswahl verbindet internationale Bekanntheit mit der Bedeutung, die diese Menschen bis heute im Land selbst haben.

1. Sándor Petőfi – Der Dichter der ungarischen Freiheit (1823–1849)

Kaum ein Name begegnet einem in Ungarn so häufig wie Petőfi Sándor. Tausende Straßen, zahlreiche Schulen und öffentliche Einrichtungen erinnern an den Nationaldichter, der gerade einmal 26 Jahre alt wurde. Petőfi wurde 1823 in Kiskőrös geboren. Er schrieb Gedichte in einer Sprache, die auch einfache Menschen verstehen konnten. Statt sich an den literarischen Konventionen seiner Zeit zu orientieren, beschäftigte er sich mit Liebe, Freiheit, Heimat und dem Leben gewöhnlicher Menschen.

Sein bekanntestes Gedicht ist das „Nationallied“ (Nemzeti dal), das während der Revolution am 15. März 1848 große Bedeutung erlangte. Petőfi gehörte zu den jungen Revolutionären, die politische Reformen und die Befreiung von der habsburgischen Herrschaft forderten. 1849 verschwand er während der Kämpfe bei Segesvár, dem heutigen Sighișoara in Rumänien. Sein Leichnam wurde nie zweifelsfrei identifiziert. Der 15. März ist heute ungarischer Nationalfeiertag. Petőfi steht wie kaum ein anderer für das Streben nach nationaler Unabhängigkeit.

2. Lajos Kossuth – Das politische Gesicht der Revolution (1802–1894)

Wenn Petőfi die poetische Stimme der Revolution von 1848 war, verkörperte Kossuth Lajos deren politische Führung. Kossuth arbeitete zunächst als Jurist und Journalist. Mit seinen Reden und Veröffentlichungen setzte er sich für politische Freiheit, wirtschaftliche Reformen und die Selbstbestimmung Ungarns innerhalb der Habsburgermonarchie ein. Während der Revolution von 1848 übernahm er wichtige Regierungsämter. Im April 1849 erklärte das ungarische Parlament die Unabhängigkeit von der Habsburgerdynastie und ernannte Kossuth zum Reichsverweser.

Der Unabhängigkeitskrieg endete jedoch mit einer Niederlage gegen österreichische und russische Truppen. Kossuth musste ins Exil gehen und lebte später unter anderem in Italien. Seine Haltung gegenüber den anderen Nationalitäten des damaligen Königreichs blieb umstritten. Trotzdem gilt er in Ungarn als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der nationalen Freiheitsbewegung. Die Kossuth Lajos utca gehört zu den häufigsten Straßennamen des Landes. Auch der große Platz vor dem Parlament in Budapest trägt seinen Namen.

3. István Széchenyi – Der größte Ungar (1791–1860)

Graf Széchenyi István wollte Ungarn wirtschaftlich und gesellschaftlich modernisieren. Er war überzeugt, dass das Land bessere Verkehrswege, ein leistungsfähiges Bankwesen und eine moderne Bildung benötigte. Zu seinen bekanntesten Projekten gehört die Kettenbrücke zwischen Buda und Pest. Sie wurde 1849 eröffnet und schuf erstmals eine dauerhafte Brückenverbindung zwischen den beiden Städten. Széchenyi förderte außerdem die Dampfschifffahrt auf der Donau und die Entwicklung der ungarischen Wirtschaft. 1825 stellte er die Einkünfte eines Jahres zur Förderung einer ungarischen Gelehrtengesellschaft zur Verfügung. Daraus entwickelte sich die Ungarische Akademie der Wissenschaften.

Politisch setzte er eher auf schrittweise Reformen als auf revolutionäre Veränderungen. Das brachte ihn in Gegensatz zu Lajos Kossuth. Seinen bis heute bekannten Beinamen „a legnagyobb magyar“ – der größte Ungar erhielt er von Kossuth. Zahlreiche Straßen, Schulen und Einrichtungen sind nach Széchenyi benannt. In Budapest trägt auch die Kettenbrücke offiziell seinen Namen: Széchenyi lánchíd.

4. István I. – Der Gründer des ungarischen Königreichs (um 975–1038)

Szent István, auf Deutsch Stephan I., gehört zu den wichtigsten Herrschern der ungarischen Geschichte. Um das Jahr 1000 wurde er zum ersten König Ungarns gekrönt und schuf die Grundlagen des christlichen Königreichs. Vor seiner Herrschaft waren die ungarischen Gebiete von Stammesstrukturen und regionalen Machtzentren geprägt. István baute eine königliche Verwaltung auf, gründete Bistümer und förderte die Christianisierung. Diese Veränderungen erfolgten keineswegs immer friedlich. Gegner seiner Herrschaft und der neuen religiösen Ordnung wurden teilweise militärisch bekämpft.

1083 wurde István heiliggesprochen. Seine Bedeutung reicht deshalb weit über die Politik hinaus: Er ist zugleich eine zentrale Gestalt der ungarischen religiösen Tradition. Sein Gedenktag, der 20. August, ist einer der wichtigsten Feiertage Ungarns. An diesem Tag wird die Staatsgründung gefeiert. Wer eine Szent István utca, einen Szent István tér oder eine Stephanskirche sieht, begegnet damit dem ersten ungarischen König. Auch die große St.-Stephans-Basilika in Budapest ist ihm gewidmet.

5. Ferenc Rákóczi II. – Der Fürst des Freiheitskampfes (1676–1735)

II. Rákóczi Ferenc stammte aus einer mächtigen ungarischen Adelsfamilie. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde er zur Führungsfigur eines Aufstands gegen die habsburgische Herrschaft. Der sogenannte Rákóczi-Freiheitskampf dauerte von 1703 bis 1711. Unterstützt wurde er von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, die mit den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen unzufrieden waren. Rákóczi wurde zum führenden Fürsten der Aufstandsbewegung und versuchte, eine eigenständigere politische Ordnung für Ungarn durchzusetzen.

Der Kampf endete 1711 mit dem Frieden von Szatmár. Rákóczi akzeptierte die Bedingungen nicht und blieb im Exil. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im Osmanischen Reich, wo er 1735 starb. In der ungarischen Erinnerung steht er für Widerstand gegen Fremdherrschaft und für das Streben nach Unabhängigkeit. Sein Porträt findet sich auf dem 500-Forint-Geldschein. Straßen mit dem Namen Rákóczi sind in Ungarn weit verbreitet. Eine der großen Verkehrsachsen Budapests heißt Rákóczi út.

6. Ferenc Deák – Der Vermittler zwischen Ungarn und Österreich (1803–1876)

Deák Ferenc war Jurist und Politiker. Anders als die revolutionären Kräfte um Kossuth suchte er nach einem politischen Ausgleich mit dem österreichischen Kaiserhaus. Nach dem gescheiterten Unabhängigkeitskrieg von 1848/49 setzte sich Deák dafür ein, Ungarns verfassungsmäßige Rechte auf friedlichem Wege wiederherzustellen. Seine Verhandlungen und politischen Vorstellungen trugen wesentlich zum österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 bei. Dadurch entstand die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, in der Ungarn innerhalb eines gemeinsamen Staatsverbandes weitreichende politische Eigenständigkeit erhielt.

Deák wird häufig als a haza bölcse bezeichnet – der Weise der Nation. Er war bekannt für seine nüchterne Argumentation und die Bereitschaft, politische Lösungen durch Verhandlungen zu suchen. In Budapest heißt ein wichtiger zentraler Platz Deák Ferenc tér. Dort treffen mehrere U-Bahn-Linien aufeinander. Wer in Budapest unterwegs ist, wird seinem Namen deshalb früher oder später begegnen.

7. György Dózsa – Der Anführer des Bauernaufstands (um 1470–1514)

Dózsa György gehört zu den bekanntesten Gestalten der ungarischen Sozialgeschichte. Obwohl er im frühen 16. Jahrhundert lebte, tragen noch heute zahlreiche Straßen seinen Namen. Dózsa war ein Soldat aus dem Szeklergebiet. 1514 sollte er einen Kreuzzug gegen das Osmanische Reich organisieren. Unter den angeworbenen Kämpfern befanden sich viele Bauern, die unter den damaligen feudalen Verhältnissen litten. Aus dem militärischen Vorhaben entwickelte sich ein großer Bauernaufstand gegen den Adel. Dózsa wurde dessen Anführer. Der Aufstand wurde niedergeschlagen. Dózsa geriet in Gefangenschaft und wurde auf besonders grausame Weise hingerichtet.

Spätere Generationen deuteten seine Geschichte unterschiedlich. Besonders während der sozialistischen Zeit wurde er als Symbol des Widerstands der unterdrückten Bauern gegen die herrschende Klasse dargestellt. Der Straßenname Dózsa György utca ist bis heute einer der häufigsten in Ungarn. Auch eine große Straße in Budapest trägt seinen Namen.

8. János Hunyadi – Der Verteidiger von Nándorfehérvár (um 1407–1456)

Hunyadi János war ein ungarischer Heerführer und eine der prägenden Gestalten des 15. Jahrhunderts. Er führte zahlreiche Feldzüge gegen das expandierende Osmanische Reich. Besonders bekannt wurde er durch die erfolgreiche Verteidigung von Nándorfehérvár, dem heutigen Belgrad, im Jahr 1456. Die osmanische Armee unter Sultan Mehmed II. versuchte, die strategisch wichtige Festung einzunehmen. Hunyadis Truppen und weitere Verteidiger konnten den Angriff abwehren.

Der Sieg hatte große Bedeutung für die weitere Entwicklung Südosteuropas. Hunyadi starb allerdings nur wenige Wochen später an einer Krankheit, die nach der Schlacht ausgebrochen war. Er war außerdem der Vater des späteren ungarischen Königs Matthias Corvinus. In der ungarischen Erinnerung gilt Hunyadi als bedeutender Verteidiger des Landes. Sein Name findet sich auf Straßen, Plätzen und Denkmälern. Auch der Hunyadi tér in Budapest gehört zu den Orten, die an ihn erinnern.

9. Mihály Vörösmarty – Der Dichter des Szózat (1800–1855)

Vörösmarty Mihály gehörte zu den bedeutendsten Dichtern der ungarischen Romantik. Seine Werke beschäftigten sich mit der Geschichte, der Sprache und der Zukunft Ungarns. Sein bekanntestes Gedicht ist der „Szózat“, der 1836 entstand. Die Vertonung von Béni Egressy aus dem Jahr 1843 machte das Werk zu einem der wichtigsten patriotischen Lieder des Landes. Während die offizielle ungarische Nationalhymne Himnusz heißt, hat der Szózat einen vergleichbar hohen kulturellen Stellenwert. Er wird häufig bei nationalen Gedenkveranstaltungen gesungen.

Vörösmarty engagierte sich außerdem für die Entwicklung der ungarischen Literatur und Sprache. Nach dem Scheitern der Revolution von 1848/49 verschlechterten sich seine Lebensumstände. Er starb 1855 in Pest. In Budapest erinnert der Vörösmarty tér an ihn. Der Platz ist heute besonders durch seine zentrale Lage und den dort stattfindenden Weihnachtsmarkt bekannt.

10. János Arany – Der Erzähler der ungarischen Geschichte (1817–1882)

Arany János zählt neben Sándor Petőfi zu den wichtigsten Dichtern des 19. Jahrhunderts. Er wurde in Nagyszalonta geboren, das heute zu Rumänien gehört. Seine Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen, dennoch eignete er sich umfangreiche literarische Kenntnisse an. Berühmt wurde er 1847 durch sein erzählendes Gedicht „Toldi“, in dem er die Geschichte des legendären ungarischen Helden Miklós Toldi aufgriff. Arany verband volkstümliche Sprache mit anspruchsvoller Dichtung und beschäftigte sich besonders mit historischen Stoffen. Auch seine Balladen gehören zu den bekanntesten Werken der ungarischen Literatur.

Mit Petőfi verband ihn eine enge Freundschaft. Nach dessen Tod 1849 setzte sich Arany intensiv mit dem Verlust auseinander. Arany arbeitete später als Sekretär und Generalsekretär der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Seine Werke gehören bis heute zum Schulunterricht. Deshalb findet man in vielen ungarischen Orten eine Arany János utca oder eine nach ihm benannte Schule.

11. Mór Jókai – Der große Romanautor Ungarns (1825–1904)

Jókai Mór war einer der produktivsten und meistgelesenen ungarischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Er wurde in Komárom geboren und veröffentlichte im Laufe seines Lebens eine große Zahl von Romanen, Erzählungen und journalistischen Texten. Seine Bücher verbinden historische Ereignisse mit dramatischen Lebensgeschichten, Abenteuer und gesellschaftlichen Konflikten. Besonders bekannt wurde sein Roman „Ein Goldmensch“ (Az arany ember) aus dem Jahr 1872. Die Geschichte spielt teilweise an der Donau und beschäftigt sich mit Wohlstand, persönlichem Glück und moralischen Entscheidungen.

Jókai beteiligte sich auch an der Revolution von 1848 und war mit Sándor Petőfi befreundet. Seine Romane machten historische Themen einem breiten Publikum zugänglich. Viele wurden später verfilmt oder für das Theater bearbeitet. In Budapest trägt unter anderem ein Platz auf der Pester Seite seinen Namen. Auch zahlreiche Schulen und Straßen erinnern an den Schriftsteller.

12. Endre Ady – Der Erneuerer der ungarischen Lyrik (1877–1919)

Ady Endre veränderte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die ungarische Literatur. Seine Gedichte brachen mit vielen traditionellen Formen und behandelten Themen, die damals häufig für Diskussionen sorgten. Er schrieb über Liebe, Religion, Politik und die gesellschaftlichen Gegensätze Ungarns. Dabei kritisierte er die Rückständigkeit des Landes und forderte eine stärkere geistige Öffnung gegenüber Europa. Besonders Paris beeinflusste seine Entwicklung. Dort lernte er neue literarische Strömungen kennen, die sich auch in seinen eigenen Texten wiederfinden.

Seine Gedichtsammlung „Neue Gedichte“ (Új versek) von 1906 gilt als ein wichtiger Wendepunkt der modernen ungarischen Lyrik. Ady starb 1919 im Alter von nur 41 Jahren. Heute gilt er als einer der bedeutendsten ungarischen Dichter. Die Ady Endre utca gehört zu den häufigsten Straßennamen Ungarns – obwohl außerhalb des ungarischen Sprachraums vergleichsweise wenige Menschen seine Werke kennen.

13. Attila József – Der Dichter der einfachen Menschen (1905–1937)

József Attila zählt zu den wichtigsten ungarischen Dichtern des 20. Jahrhunderts. Er wurde in Budapest geboren und wuchs unter schwierigen wirtschaftlichen und familiären Bedingungen auf. Seine Kindheit und Jugend waren von Armut und Unsicherheit geprägt. In seinen Gedichten beschäftigte er sich mit sozialen Ungleichheiten, Einsamkeit, Liebe und der Suche nach menschlicher Zugehörigkeit. Seine Sprache war häufig direkt und bildhaft. Gleichzeitig verwendete er anspruchsvolle poetische Formen und beschäftigte sich intensiv mit philosophischen Fragen.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Mama“, „Am Stadtrand“ (A város peremén) und „Ode“ (Óda). József litt unter schweren psychischen Problemen und starb 1937 im Alter von 32 Jahren unter einem Zug. Ob es sich um einen Suizid oder einen Unfall handelte, wird bis heute diskutiert. Sein Geburtstag, der 11. April, wird in Ungarn als Tag der ungarischen Dichtung (A magyar költészet napja) gefeiert.

14. Mihály Táncsics – Der Kämpfer für Pressefreiheit (1799–1884)

Táncsics Mihály war Schriftsteller, Publizist und politischer Aktivist. Er setzte sich im 19. Jahrhundert für soziale Reformen, politische Rechte und die Freiheit der Presse ein. Táncsics stammte aus einfachen Verhältnissen. Er arbeitete zunächst als Lehrer und entwickelte zunehmend radikale Vorstellungen über gesellschaftliche Veränderungen. Seine politischen Schriften brachten ihn in Konflikt mit der habsburgischen Obrigkeit. Er wurde verhaftet und in Buda inhaftiert.

Am 15. März 1848, dem Beginn der ungarischen Revolution, befreiten Revolutionäre Táncsics aus dem Gefängnis. Diese Befreiung wurde zu einem Symbol des Kampfes gegen Zensur und politische Unterdrückung. Nach dem Scheitern der Revolution musste er erneut Verfolgung und Haft ertragen. Sein Name wurde besonders im 20. Jahrhundert häufig für Straßen und öffentliche Einrichtungen verwendet. Wer heute auf eine Táncsics Mihály utca stößt, begegnet damit einem Mann, dessen Lebensgeschichte eng mit der Entstehung moderner politischer Freiheitsrechte in Ungarn verbunden ist.

15. Franz Liszt – Der internationale Klaviervirtuose (1811–1886)

Liszt Ferenc war einer der berühmtesten Pianisten des 19. Jahrhunderts. Seine Konzerte zogen ein begeistertes Publikum an und machten ihn zu einem der ersten internationalen Stars der klassischen Musik. Er wurde in Doborján, dem heutigen Raiding in Österreich, geboren. Der Ort gehörte damals zum Königreich Ungarn. Liszt wuchs deutschsprachig auf und sprach selbst kaum Ungarisch. Dennoch identifizierte er sich mit Ungarn und unterstützte die musikalische Entwicklung des Landes.

Als Komponist schuf er zahlreiche Klavierwerke, Orchesterstücke und die bekannten Ungarischen Rhapsodien. Er beeinflusste die Entwicklung der romantischen Musik und förderte viele jüngere Musiker. Liszt beteiligte sich außerdem am Aufbau der Budapester Musikakademie, deren erster Präsident er wurde. Sein Name begegnet Besuchern Ungarns spätestens bei der Ankunft am Flughafen Budapest: Dieser heißt offiziell Budapest Liszt Ferenc Nemzetközi Repülőtér.

16. Béla Bartók – Der Sammler der Volksmusik (1881–1945)

Bartók Béla war Komponist, Pianist und einer der Begründer der modernen wissenschaftlichen Volksmusikforschung. Gemeinsam mit Zoltán Kodály reiste er durch ungarische und andere mittel- und südosteuropäische Dörfer, um traditionelle Lieder aufzuzeichnen und zu untersuchen. Dabei entdeckte er, dass sich die tatsächliche bäuerliche Musik deutlich von der damals populären Vorstellung romantischer ungarischer Musik unterschied. Bartók sammelte Tausende Melodien und beschäftigte sich mit ihren Rhythmen, Tonleitern und regionalen Unterschieden.

Diese Erkenntnisse beeinflussten auch seine eigenen Kompositionen. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die sechs Streichquartette und das Konzert für Orchester. 1940 emigrierte Bartók in die Vereinigten Staaten. Dort starb er 1945. Sein Name findet sich heute an Musikschulen, Konzertsälen und Straßen in ganz Ungarn. Er gilt als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.

17. Zoltán Kodály – Der Mann, der Musik zum Allgemeingut machen wollte (1882–1967)

Kodály Zoltán war Komponist, Musikforscher und Pädagoge. Wie Bartók interessierte er sich für die ursprüngliche Volksmusik. Er sammelte traditionelle Lieder und untersuchte ihren Aufbau. Besonders bekannt wurde Kodály jedoch durch seine Vorstellungen zur musikalischen Bildung. Er vertrat die Ansicht, dass jedes Kind die Möglichkeit bekommen sollte, Musik aktiv zu erleben und zu verstehen. Der regelmäßige Gesang spielte dabei eine wesentliche Rolle.

Die nach ihm benannte Kodály-Methode verbindet Singen, rhythmische Übungen und systematisches musikalisches Lernen. Sie wird heute in vielen Ländern verwendet. Zu seinen bekannten Kompositionen zählen die Háry-János-Suite und die Psalmus Hungaricus. Während Bartók international vor allem als Komponist bekannt wurde, ist Kodálys Name besonders eng mit Musikpädagogik verbunden. Sein Wirken erklärt, weshalb der Musikunterricht und das gemeinsame Singen in der ungarischen Bildungstradition einen besonderen Stellenwert besitzen.

18. Ignác Semmelweis – Der Retter der Mütter (1818–1865)

Semmelweis Ignác wurde in Buda geboren und arbeitete als Arzt an einem Krankenhaus in Wien. Dort beobachtete er, dass auffallend viele Frauen nach der Geburt an Kindbettfieber starben. Besonders betroffen waren Patientinnen einer Station, auf der Ärzte und Medizinstudenten arbeiteten. Semmelweis erkannte einen Zusammenhang zwischen Leichenuntersuchungen und der Übertragung gefährlicher Stoffe auf Gebärende. 1847 führte er eine verpflichtende Händedesinfektion mit Chlorkalklösung ein. Die Zahl der Todesfälle ging daraufhin deutlich zurück.

Seine Erkenntnisse stießen zunächst bei vielen Kollegen auf Widerstand. Erst später, mit dem besseren Verständnis von Krankheitserregern, wurde die Bedeutung seiner Beobachtungen allgemein anerkannt. Heute gilt Semmelweis als einer der wichtigsten Wegbereiter der modernen medizinischen Hygiene. Die medizinische Universität in Budapest trägt seinen Namen. Seine Arbeit hat dazu beigetragen, unzählige Menschenleben zu retten.

19. Albert Szent-Györgyi – Der Nobelpreisträger und Vitamin-C-Forscher (1893–1986)

Szent-Györgyi Albert war Biochemiker und erhielt 1937 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Seine Forschung beschäftigte sich mit biologischen Oxidationsprozessen und der Bedeutung von Vitamin C für den menschlichen Stoffwechsel. An der Universität Szeged untersuchte er unter anderem die Ascorbinsäure. Dabei stellte sich heraus, dass Paprika besonders reich an Vitamin C waren und sich hervorragend für dessen Gewinnung eigneten.

Szent-Györgyi war nicht der alleinige Entdecker des Vitamins. Seine Arbeiten trugen jedoch wesentlich dazu bei, die Substanz zu identifizieren und ihre biologische Bedeutung zu verstehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte er in die USA, wo er seine wissenschaftliche Arbeit fortsetzte. Szent-Györgyi gilt als einer der bekanntesten ungarischen Naturwissenschaftler. In Szeged trägt die Universität seinen Namen. Besonders bekannt ist dort seine Verbindung zur Paprika, die für die Region ohnehin eine große wirtschaftliche und kulinarische Bedeutung besitzt.

20. László Bíró – Der Erfinder des modernen Kugelschreibers (1899–1985)

Der Kugelschreiber gehört zu den meistverwendeten Schreibgeräten der Welt. Seine Entwicklung ist eng mit dem Ungarn Bíró László József verbunden. Bíró arbeitete als Journalist und störte sich daran, dass die Tinte herkömmlicher Füllfederhalter langsam trocknete und häufig verschmierte. Gemeinsam mit seinem Bruder György entwickelte er einen Stift, bei dem eine kleine Kugel an der Spitze die Tinte gleichmäßig auf das Papier überträgt. Zwar gab es schon zuvor ähnliche Ideen, doch Bíró verbesserte die Technik so weit, dass ein praxistaugliches Schreibgerät daraus wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs emigrierte er nach Argentinien und entwickelte den Kugelschreiber dort weiter. Im britischen Englisch wird ein Kugelschreiber gelegentlich noch heute „biro“ genannt. Bírós Geburtstag, der 29. September, wird in Argentinien als Tag des Erfinders begangen.

21. Ernő Rubik – Der Erfinder des Zauberwürfels (geboren 1944)

Rubik Ernő wurde in Budapest geboren und arbeitete als Architekt und Hochschullehrer. 1974 entwickelte er eine mechanische Konstruktion aus beweglichen Würfelelementen. Daraus entstand der später weltberühmte Rubik’s Cube, auf Ungarisch ursprünglich Bűvös kocka – Zauberwürfel. Das klassische Modell besitzt sechs farbige Seiten, die durch Drehbewegungen immer wieder neu angeordnet werden können. Was zunächst als räumliches Denk- und Konstruktionsproblem entstand, wurde Anfang der 1980er-Jahre zu einem weltweiten Verkaufsschlager.

Bis heute beschäftigen sich Menschen mit mathematischen Lösungsstrategien und der Frage, wie sich der Würfel möglichst schnell lösen lässt. Bei internationalen Speedcubing-Wettbewerben schaffen es besonders geübte Teilnehmer in wenigen Sekunden. Rubiks Erfindung ist eines der weltweit bekanntesten Produkte aus Ungarn. Sie verbindet räumliches Denken mit einem einfachen Spielprinzip, das Menschen nahezu jeden Alters verstehen können.

22. Ferenc Puskás – Die Fußballlegende Ungarns (1927–2006)

Puskás Ferenc war einer der erfolgreichsten Fußballspieler des 20. Jahrhunderts und ist bis heute die international wohl bekannteste ungarische Sportpersönlichkeit. Er gehörte zur legendären Aranycsapat, der Goldenen Mannschaft Ungarns, die in den frühen 1950er-Jahren den europäischen Fußball prägte. 1953 besiegte Ungarn England im Londoner Wembley-Stadion mit 6:3. Der Sieg erregte große Aufmerksamkeit, weil England dort zuvor noch nie gegen eine Mannschaft vom europäischen Festland verloren hatte. Bei der Weltmeisterschaft 1954 erreichte Ungarn das Finale, unterlag jedoch der Bundesrepublik Deutschland mit 2:3.

Nach dem Volksaufstand von 1956 blieb Puskás im Ausland. Später spielte er für Real Madrid und gewann dort zahlreiche Titel. Sein außergewöhnlicher linker Fuß und seine Treffsicherheit machten ihn zur Legende. Heute trägt das große Nationalstadion in Budapest seinen Namen. Die FIFA vergibt außerdem jährlich den Puskás-Preis für ein besonders schönes Tor.

23. Harry Houdini – Der Meister der Entfesselung (1874–1926)

Harry Houdini wurde 1874 als Erik Weisz in Budapest geboren und wanderte als Kind mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten aus. Dort entwickelte er sich zu einem der berühmtesten Unterhaltungskünstler seiner Zeit. Seine Spezialität waren spektakuläre Entfesselungsnummern. Er befreite sich aus Handschellen, Zwangsjacken und verschlossenen Behältern. Besonders berühmt wurden seine Vorführungen, bei denen er unter Wasser aus Fesseln entkommen musste.

Houdini verstand es, seine Auftritte geschickt zu vermarkten. Zeitungen berichteten ausführlich über seine Kunststücke, und sein Name wurde international bekannt. Neben seiner Bühnenkarriere beschäftigte er sich mit angeblich übernatürlichen Erscheinungen. Er entlarvte betrügerische spiritistische Medien und erklärte, wie manche ihrer Tricks funktionierten. Houdini starb 1926 in Detroit. Seine ungarische Herkunft ist vielen Menschen außerhalb Ungarns unbekannt. In Budapest erinnert unter anderem das House of Houdini im Burgviertel an den weltberühmten Künstler.

24. Joseph Pulitzer – Der Mann hinter dem Pulitzer-Preis (1847–1911)

Joseph Pulitzer wurde als Pulitzer József in Makó in Südungarn geboren und wanderte als junger Mann in die Vereinigten Staaten aus. Dort arbeitete er zunächst unter einfachen Bedingungen, bevor er eine erfolgreiche Karriere als Journalist und Zeitungsverleger begann. Mit der St. Louis Post-Dispatch und der New York World baute er bedeutende amerikanische Zeitungen auf. Pulitzer setzte auf investigative Berichterstattung und die Aufdeckung politischer Missstände. Gleichzeitig gehörten Sensationsmeldungen und ein harter Konkurrenzkampf zum Geschäftsmodell seiner Zeitungen.

Sein Vermögen verwendete er unter anderem dafür, die journalistische Ausbildung an der Columbia University zu fördern. Aus seiner testamentarischen Stiftung entstanden die Pulitzer-Preise, die seit 1917 vergeben werden. Heute gehören sie zu den renommiertesten amerikanischen Auszeichnungen für Journalismus, Literatur und Musik. Dass der Name Pulitzer ursprünglich aus einer kleinen ungarischen Stadt stammt, wissen außerhalb Ungarns nur wenige Menschen.

25. Imre Kertész – Der Schriftsteller, der Auschwitz überlebte (1929–2016)

Kertész Imre wurde 1929 in Budapest in eine jüdische Familie geboren. 1944 deportierten ihn die Nationalsozialisten als Jugendlichen in das Konzentrationslager Auschwitz. Später wurde er nach Buchenwald gebracht, wo er 1945 befreit wurde. Diese Erfahrungen wurden zum Ausgangspunkt seines literarischen Werks. Sein bekanntester Roman ist „Roman eines Schicksallosen“ (Sorstalanság), der 1975 erschien. Das Buch schildert die Erlebnisse eines jüdischen Jugendlichen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Kertész verzichtete dabei weitgehend auf eine unmittelbar anklagende Darstellung und entwickelte eine ungewöhnliche, distanzierte Erzählweise.

Er beschäftigte sich mit der Frage, wie Menschen unter totalitären Bedingungen leben und ihre persönliche Identität bewahren können. 2002 erhielt Kertész den Nobelpreis für Literatur. Seine Werke gehören heute zur internationalen Literatur über den Holocaust. Sie erinnern auch an die Verfolgung und Ermordung ungarischer Juden während des Zweiten Weltkriegs.

Ungarns Geschichte begegnet uns auf Schritt und Tritt

Wer einmal weiß, welche Geschichten sich hinter den Namen verbergen, wird ungarische Städte und Dörfer mit anderen Augen sehen. Eine Petőfi utca erinnert an einen jungen Dichter, der für die Freiheit kämpfte. Eine Széchenyi utca verweist auf die Modernisierung des Landes. Bei Kossuth geht es um die Revolution von 1848, bei Rákóczi um einen Freiheitskampf mehr als hundert Jahre zuvor. Und eine Bartók Béla utca erinnert an einen Musiker, der durch unzählige Dorfbesuche einen wichtigen Teil der traditionellen Volksmusik bewahrte.

Auffällig ist, wie stark in Ungarn gerade Dichter und Schriftsteller im öffentlichen Raum vertreten sind. Namen wie Petőfi, Arany, Ady und József Attila stehen nicht allein für Literatur. Ihre Werke sind eng mit gesellschaftlichen Umbrüchen, Fragen der nationalen Identität und dem Gebrauch der ungarischen Sprache verbunden. Andere Persönlichkeiten aus dieser Auswahl hinterließen Spuren, die weit über Ungarn hinausreichen. Der Kugelschreiber von Bíró und der Zauberwürfel von Rubik sind weltweit bekannt. Die Erkenntnisse von Semmelweis und Szent-Györgyi veränderten die medizinische Forschung.

Nicht jeder dieser Menschen war zu Lebzeiten unumstritten. Einige vertraten politische Ansichten, die heute kritisch betrachtet werden müssen. Andere erfuhren erst lange nach ihrem Tod die Anerkennung, die ihnen heute entgegengebracht wird.

So erzählt ein einfaches Straßenschild in Ungarn oft viel mehr, als man zunächst vermutet: von Revolutionen und verlorenen Kämpfen, von außergewöhnlichen Ideen und von Menschen, deren Namen geblieben sind, weil ihre Geschichten bis heute etwas über dieses Land erzählen.

Markus Messemer