Sonderformen der Nutzung von ungarischen Suffixen

Nicht wirklich ganz logisch

Die ungarische Sprache verwendet Suffixe wie -val/vel, -ra/re, -ba/be und andere, um Beziehungen zwischen Objekten, Orten, Zeiten und abstrakten Konzepten auszudrücken. Obwohl diese Suffixe klare Grundbedeutungen haben, werden sie in bestimmten Kontexten oft auf abstrakte oder idiomatische Weise verwendet. Dieser Artikel erklärt die häufigsten Sonderformen und hilft dabei, die richtige Verwendung zu erlernen.

Der Instrumentalfall (-val/vel)

Der Instrumentalfall mit den Suffixen -val/vel wird normalerweise verwendet, um auszudrücken, mit was oder mit wem etwas getan wird. In einigen Fällen hat diese Konstruktion jedoch eine abstraktere Bedeutung.

Beispiele für abstrakte Nutzung

  • Kilenc évvel ezelőtt (Vor neun Jahren, wörtlich: „mit neun Jahren vorher“)
  • Az apám két centiméterrel magasabb nálam. (Mein Vater ist zwei Zentimeter größer als ich, wörtlich: „mit zwei Zentimetern größer“)
  • Szilviaval találkoztam. (Ich habe Szilvia getroffen, wörtlich: „Ich traf mich mit Szilvia“)

In diesen Beispielen wird -val/vel verwendet, um Zeitspannen, Unterschiede in Größen oder Begegnungen auszudrücken, was nicht direkt mit der Grundbedeutung des Instrumentals übereinstimmt.

Der Superessiv (-on/en/ön)

Der Superessiv, der normalerweise verwendet wird, um Positionen „auf“ etwas auszudrücken, wird auch in abstrakteren Kontexten verwendet, um Zustände oder gedankliche Positionen darzustellen.

Beispiele für abstrakte Nutzung

  • Sokat gondolkodom ezen a problémán. (Ich denke viel über dieses Problem nach.)
  • Rajtad áll, hogyan döntesz. (Es liegt an dir, wie du entscheidest.)
  • Mindig az elmúlt napokon gondolkodom. (Ich denke oft über die vergangenen Tage nach.)
  • Ezen a helyen érzem magam a legjobban. (An diesem Ort fühle ich mich am wohlsten.)

Hier drückt der Superessiv nicht nur physische Positionen aus, sondern auch gedankliche Prozesse und persönliche Zustände.

Der Sublativ (-ra/re)

Das Suffix -ra/re wird oft verwendet, um eine Bewegung „auf“ etwas hin auszudrücken, aber es kann auch metaphorisch verwendet werden, um auf Ziele, Zwecke oder Intentionen hinzuweisen.

Beispiele für metaphorische Nutzung

  • Arra gondolok, hogy… (Ich denke daran, dass…)
  • Figyelj erre! (Achte darauf!)
  • Az életre koncentrálok. (Ich konzentriere mich auf das Leben.)

In diesen Fällen zeigt -ra/re nicht nur eine physische Bewegung, sondern auch eine gedankliche oder intentionale Ausrichtung.

Sonderfall „szükségem van valamire“

Eine besonders interessante und weniger offensichtliche Verwendung des Sublativs -ra/re findet sich in der Konstruktion „szükségem van valamire“ (Ich brauche etwas). Diese Konstruktion bedeutet wörtlich „Ich habe Bedarf an etwas“ und verwendet -ra/re, um das Objekt des Bedürfnisses anzuzeigen.

Beispiele
  • Szükségem van egy tollra. (Ich brauche einen Stift.)
  • Szükséged van segítségre. (Du brauchst Hilfe.)
  • Szüksége van időre. (Er/Sie braucht Zeit.)

Hier zeigt das Suffix -ra/re das Ziel oder Objekt des Bedürfnisses an, und hebt die Flexibilität des Sublativs im Ungarischen hervor.

Der Inessiv (-ban/ben)

Der Inessiv, der typischerweise verwendet wird, um anzuzeigen, dass sich etwas „in“ etwas befindet, wird auch häufig verwendet, um Zustände oder Situationen darzustellen.

Beispiele für erweiterte Nutzung

  • Hiszek abban, hogy… (Ich glaube daran, dass…)
  • Jó abban a szakmában. (Er/Sie ist gut in diesem Beruf.)
  • Részt veszek a projektben. (Ich nehme an dem Projekt teil.)

Hier zeigt der Inessiv nicht nur physische Räume, sondern auch mentale oder berufliche Zustände und Aktivitäten.

Der Allativ (-hoz/hez/höz)

Das Suffix -hoz/hez/höz, das typischerweise verwendet wird, um eine Bewegung „zu“ etwas hin auszudrücken, kann auch metaphorisch verwendet werden, um Ziele oder Bezugspunkte darzustellen.

Beispiele für metaphorische Nutzung

  • Segítséget kértem tőle. (Ich habe ihn um Hilfe gebeten.)
  • Visszatérek a munkához. (Ich kehre zur Arbeit zurück.)
  • Igazodik az elvárásaihoz. (Er/Sie passt sich seinen/ihren Erwartungen an.)

Diese Verwendung des Allativs zeigt, dass es nicht nur um physische Bewegungen geht, sondern auch um abstrakte Ziele und Anpassungen.

Der Illativ (-ba/be)

Der Illativ, der typischerweise für Bewegung „in“ etwas hinein verwendet wird, kann auch in abstrakten Kontexten verwendet werden, um den Eintritt in Situationen, Zustände oder Konzepte darzustellen.

Beispiele für abstrakte Nutzung
  • Belemerültem a könyvbe. (Ich vertiefte mich in das Buch.)
  • Beleszerettem a munkámba. (Ich habe mich in meine Arbeit verliebt.)
  • Belefáradtam a várakozásba. (Ich bin vom Warten müde geworden.)

Hier zeigt der Illativ den Übergang in abstrakte Zustände oder intensive Beteiligung an Aktivitäten.

Eine weitere interessante Verwendung des Illativs findet sich im Zusammenhang mit Geldbeträgen. Wenn man im Ungarischen den Preis eines Gegenstandes nennt, wird die Währung in den Illativ gesetzt. Dies spiegelt die Frage wider: „Wie viel kostet es in Dollar?“, wobei das „in“ durch den Illativ ausgedrückt wird.

Beispiele

  • Mennyibe kerül? (Wie viel kostet es?)
  • Száz dollárba kerül. (Es kostet hundert Dollar.)
  • Száz forintba kerül. (Es kostet hundert Forint.)

Hier wird deutlich, dass der Illativ nicht nur für physische Bewegungen verwendet wird, sondern auch in abstrakteren Kontexten wie Preisen eine wichtige Rolle spielt.

Markus Messemer

Meine Meinung zu den wichtigsten Punkten

Diese Sonderformen der ungarischen Suffixe erweitern die Grundbedeutungen der Suffixe auf eine Vielzahl von abstrakten und metaphorischen Anwendungen. Die meisten davon sind mir noch nicht begegnet, weswegen ich denke du solltest dir erstmal nur die folgenden wenigen Fälle genauer ansehen und ggf. versuchen zu merken.

Kilenc évvel ezelőtt (Vor neun Jahren, wörtlich: „mit neun Jahren vorher“)
Zwingend notwendig um auf einen Zeitpunkt vor der heutigen Zeit hinzuweisen,

Attilaval találkoztam. (Ich habe Attila getroffen, wörtlich: „Ich traf mich mit Attila“)
Immer wieder benötigt und, da man das im Deutschen auch so sagen kann, nicht unmerkbar

Szükségem van egy tollra. (Ich brauche einen Stift.)
Den Bedarf an etwas auszudrücken kommt öfters vor. Hier musst du dir, sobald du weißt, du nutzt „szügség“ in egal welcher Form, angewöhnen das Hauptwort um das -ra/-re zu ergänzen.

Markus Messemer