Rezeptur im Detail: Kürtőskalács

Wir zeigen dir wie du den Schornsteinkuchen perfekt über dem Feuer backst. Die ausführliche Erklärung ist selbstverständlich für diese Rubrik.

Einleitung: Das süße Feuer Siebenbürgens

Stell Dir vor, Du schlenderst über einen belebten Weihnachtsmarkt in Budapest oder ein sommerliches Festival auf dem ungarischen Land. Plötzlich nimmst Du einen Duft wahr, der alle anderen Gerüche überlagert – eine unwiderstehliche Mischung aus süßem Hefeteig, warmer Butter und knisterndem Karamell. Du folgst Deiner Nase und siehst ihn: den Kürtőskalács. Goldbraune Teigzylinder drehen sich langsam über glühender Holzkohle, ihre Oberfläche glänzt verlockend im Licht. Dies ist nicht nur ein Gebäck; es ist ein Erlebnis, ein tief verwurzeltes Ritual der ungarischen Festkultur.  

Der Kürtőskalács, oft als Schornsteinkuchen oder Baumstriezel übersetzt, ist weit mehr als eine süße Leckerei. Er ist ein kulinarisches Wahrzeichen, ein Symbol für Gastfreundschaft, Gemeinschaft und vor allem für das reiche kulturelle Erbe der Székely (Szekler), einer ungarischen Volksgruppe aus dem Herzen Siebenbürgens (Transsilvanien). Ursprünglich war dieses besondere Gebäck festlichen Anlässen wie Hochzeiten, Taufen und hohen Feiertagen vorbehalten – ein Moment des gemeinsamen Genusses und der Freude. Seine Bedeutung ist so groß, dass er offiziell als „Hungarikum“ anerkannt wurde, ein Titel, der nur den einzigartigsten und wertvollsten Schätzen der ungarischen Kultur verliehen wird.  

Dieser Artikel ist Deine Einladung, die wahre Seele des Kürtőskalács zu entdecken. Wir werden gemeinsam auf eine Reise gehen, die uns zu seinen sagenumwobenen Ursprüngen führt, die feinen, aber entscheidenden Geheimnisse seiner Identität lüftet und Dir schließlich zeigt, wie Du dieses Stück ungarischer Tradition in Perfektion selbst erschaffen kannst – sei es authentisch über dem Feuer oder mit cleveren Kniffen in Deiner eigenen Küche.

Emese Varga

Keine Zeit für die ausführliche Erklärung?

Eigentlich braucht gutes Essen Zeit – und das Wissen um das Wie und Warum. In der ausführlichen Beschreibungen unten gehen wir auf genau diese Details ein, die den Unterschied zwischen „gut“ und „perfekt“ ausmachen. Für den schnellen visuellen Eindruck haben wir euch jedoch ein Video einer ungarischen Rezeptseite zu diesem Gericht herausgesucht. Es zeigt die Basis-Zubereitung. Die Feinheiten für das bestmögliche Ergebnis lest ihr hier folgend.

https://www.youtube.com/watch?v=xV-3ZCXaZEU

Es gibt auch, aus den Anfangszeiten unserer Webseite, eine kurz gefasste Version mit „rationeller Rezeptur“, unter diesem Link: Kürtőskalács – Gebäck völlig von der Rolle

Emese Varga

Die Geschichte von Kürtőskalács: Von Hirtenfeuern zur Weltbühne

Die Geschichte des Kürtőskalács ist eine faszinierende Chronik von Anpassung, Erfindungsreichtum und kultureller Identität. Seine Wurzeln reichen tief in die europäische Backtradition der Spießkuchen, bei denen Teig um einen rotierenden Spieß über offenem Feuer gebacken wird. Erste vage Hinweise auf eine ähnliche Technik finden sich bereits in einer Heidelberger Handschrift aus dem Jahr 1450. Doch die spezifische Form und Seele, die wir heute als Kürtőskalács kennen und lieben, wurde im Szeklerland geschmiedet, jener historisch und ethnographisch ungarisch geprägten Region im heutigen Rumänien.  

Eine der fesselndsten Erzählungen über seinen Ursprung, auch wenn sie eher dem Reich der Legenden zuzuordnen ist, versetzt uns in die Zeit der Mongoleneinfälle im Jahr 1241. Der Legende nach zog sich die Bevölkerung vor den anrückenden Horden in die Höhlen der umliegenden Berge zurück. Als die Belagerer versuchten, sie auszuhungern, griffen die Szekler Frauen zu einer List: Aus dem letzten Rest Mehl, gestreckt mit Wasser und Asche, formten sie einen Teig. Diesen wickelten sie um lange Holzstangen und backten ihn über dem Feuer. Das Ergebnis war ein zwar hohles, aber beeindruckend großes Gebäck. Sie hielten diese „Brote“ den staunenden Feinden entgegen, um zu signalisieren, dass ihre Vorräte unerschöpflich seien. Die getäuschten Mongolen, so die Geschichte, zogen entmutigt ab. Ob wahr oder nicht, diese Legende ist ein kraftvolles Symbol für die Widerstandsfähigkeit und den Einfallsreichtum des Szekler Volkes und verankert den Kürtőskalács tief in ihrer kulturellen Identität.  

Historisch fassbar wird das Gebäck mit dem ersten dokumentierten Rezept, das im Kochbuch der siebenbürgischen Gräfin Mária Mikes Zabolai aus dem Jahr 1784 auftaucht. Doch ein entscheidendes Detail unterscheidet diese frühe Form von der heutigen: Die glänzende, knackige Karamellkruste fehlte. Dieses heute so charakteristische Merkmal war eine spätere, aber revolutionäre Entwicklung. Die Idee, den Teig vor dem Backen in Kristallzucker zu wälzen, sodass dieser über der Hitze zu einer nahtlosen, knusprigen Schicht karamellisiert, taucht erst 1876 im Kochbuch von Terézia Dolecskó aus Szeged auf. Dieser Schritt war mehr als nur eine Verfeinerung; er definierte die moderne Identität des Kürtőskalács und schuf den unverkennbaren Kontrast zwischen der knackigen, süßen Hülle und dem weichen, fluffigen Inneren. Ähnlich wie Paprika, der erst Jahrhunderte nach der Entstehung des Gulyás zu dessen Seele wurde, ist die Karamellkruste heute ein unverzichtbarer Teil der Authentizität des Kürtőskalács – ein Beweis dafür, dass kulinarische Traditionen lebendig sind und sich weiterentwickeln.  

Der Name selbst ist pure Poesie und beschreibt das Erlebnis perfekt. „Kürtő“ ist das ungarische Wort für Schornstein, Ofenrohr oder auch Horn.  

„Kalács“ bezeichnet ein süßes Hefegebäck, ähnlich einem Brioche. Zieht man den fertigen, heißen Kuchen von der Holzrolle, steigt Dampf aus seiner hohlen Mitte auf – genau wie aus einem kleinen Schornstein. Der Name ist also eine direkte, bildhafte Beschreibung des fertigen Produkts und fängt seine wärmende, wohlige Essenz ein.

Emese Varga

Die wahre Identität des Schornsteinkuchens - Kürtőskalács vs. Trdelník & Baumkuchen

Hier lüften wir das wohl wichtigste Geheimnis, um ein wahrer Kenner des Kürtőskalács zu werden. In einer Welt voller ähnlicher Gebäcke, die auf Märkten von Prag bis Berlin angeboten werden, liegt der Schlüssel zur Unterscheidung nicht nur in den Zutaten, sondern im Prozess. Die wahre Identität des authentischen Kürtőskalács wird durch ein einziges, entscheidendes Detail definiert: die Karamellisierung von Kristallzucker auf dem Teig vor dem Backen. Dieses Wissen trennt den echten ungarischen Genuss von seinen nahen Verwandten und modernen Imitationen.

Kürtőskalács vs. Trdelník

Die häufigste und wichtigste Verwechslung geschieht mit dem slowakischen und tschechischen Trdelník. Oberflächlich sehen sie sich zum Verwechseln ähnlich, und ihre Geschichte ist eng miteinander verknüpft. Der Legende nach brachte der Koch des ungarischen Grafen József Gvadányi das Rezept im späten 18. Jahrhundert nach Skalica in der heutigen Slowakei. Der entscheidende Punkt ist jedoch der Zeitpunkt dieses Kulturaustauschs: Er geschah, bevor sich die Methode der Zuckerkrusten-Karamellisierung in Ungarn durchgesetzt hatte.

Daher wird der traditionelle, als EU-geschützte geografische Angabe (g.g.A.) anerkannte Skalický Trdelník, nach dem Backen lediglich mit Puderzucker bestäubt und in einer Mischung aus gehackten Nüssen gewälzt. Ihm fehlt die charakteristische, glänzende und fest integrierte Karamellschicht des Kürtőskalács. Was man heute als Tourist in Prag oft als „Trdelník“ mit Karamellglasur und Füllungen wie Eiscreme oder Schokocreme kauft, ist eine moderne, kommerzielle Anpassung, die von vielen Tschechen als „Marketing-Betrug“ angesehen wird und wenig mit der ursprünglichen Tradition zu tun hat.  

Kürtőskalács vs. Baumkuchen

Die Abgrenzung zum deutschen Baumkuchen ist technischer Natur und liegt im Teig selbst. Während der Kürtőskalács aus einem festen, elastischen Hefeteig besteht, der zu einem langen Band geformt und auf die Backrolle gewickelt wird , basiert der Baumkuchen auf einem flüssigen, rührkuchenähnlichen Teig. Dieser wird in vielen dünnen Schichten nacheinander auf den rotierenden Spieß aufgetragen und einzeln gebacken. Schneidet man einen Baumkuchen auf, erkennt man die charakteristischen „Jahresringe“, die ihm seinen Namen geben. Der Kürtőskalács hingegen ist innen hohl und besteht aus einer einzigen, spiralförmig gewickelten Teigschicht.  

Authentische Toppings vs. Moderne Füllungen

Ein weiterer Punkt der Klärung betrifft die Art des Servierens. Traditionell wird der heiße, frisch gebackene Kürtőskalács sofort in einer Schale mit Toppings gewälzt, die an der klebrigen Karamelloberfläche haften bleiben. Klassiker sind gemahlene Walnüsse, eine Zimt-Zucker-Mischung oder Kokosraspeln. Die Idee, den hohlen Innenraum mit Eiscreme, Nutella oder Sahne zu füllen, ist eine sehr junge, touristisch geprägte Erfindung. Während sie beliebt sein mag, wird sie von den meisten Ungarn nicht als authentisch betrachtet, da sie das ursprüngliche Esserlebnis – das Abreißen der warmen, dampfenden Teigstreifen – grundlegend verändert.  

Die folgende Tabelle fasst diese entscheidenden Unterschiede zusammen und macht Dich zum Experten, der die feinen Nuancen dieser europäischen Spießkuchen-Familie zu schätzen weiß.

Tabelle 1: Kürtőskalács vs. Trdelník vs. Baumkuchen – Eine klare Abgrenzung

Kriterium

Authentischer Ungarischer Kürtőskalács

Traditioneller Slowakischer Trdelník

Deutscher Baumkuchen

Definition/Art

Hefeteig-Gebäck vom Spieß (Spießkuchen)

Hefeteig-Gebäck vom Spieß (Spießkuchen)

Schichtkuchen vom Spieß (Spießkuchen)

Teigart

Fester, elastischer Hefeteig  

Fester Hefeteig  

Flüssiger, rührkuchenartiger Teig (Batter)  

Zubereitung

Teig wird zu einem langen Streifen geformt und spiralförmig aufgewickelt.  

Teig wird zu einem Streifen geformt und aufgewickelt.  

Teig wird in dünnen Schichten auf den Spieß aufgetragen und schichtweise gebacken.  

Das entscheidende „Geheimnis“ (Oberfläche)

Wird vor dem Backen in Kristallzucker gewälzt, der zu einer glänzenden, knusprigen Karamellkruste schmilzt.  

Wird traditionell ohne Zucker gebacken und erst nach dem Backen mit Puderzucker und Nussmischung bestreut. Keine Karamellkruste.  

Hat keine Zuckerkruste, wird oft nach dem Backen mit Schokolade oder Zuckerguss überzogen.  

Typische Form

Leicht konisch, hohl, wie ein Schornstein.  

Zylindrisch, hohl.  

Zylindrisch, massiv mit inneren „Jahresringen“.  

Traditionelle „Toppings“

Nach dem Backen heiß in gemahlenen Walnüssen, Zimt-Zucker, Kokosraspeln oder getrockneten Himbeeren gewälzt.  

Traditionell mit Walnuss- oder Mandelstückchen bestreut.  

Schokoladen- oder Zuckerglasur.  

Esskultur

Heiß und frisch, wird in Streifen abgerissen und gegessen. Füllungen sind eine moderne, touristische Variante.  

Heiß und frisch. Moderne Varianten (v.a. in Prag) werden gefüllt.  

In Scheiben geschnitten serviert.

Ursprung

Szeklerland (Siebenbürgen), Ungarn/Rumänien.  

Skalica, Slowakei (basierend auf dem ungarischen Rezept).  

Deutschland.  

Emese Varga

Die richtigen Zutaten: Die Essenz des Kürtőskalács

Die Magie des Kürtőskalács liegt in der scheinbaren Einfachheit seiner Zutaten, die jedoch in einem präzisen Prozess zu etwas Außergewöhnlichem transformiert werden. Die Qualität jeder einzelnen Komponente und das Verständnis für ihre Rolle sind der Schlüssel zum perfekten Ergebnis.

Schlüsselinhaltsstoffe für einen authentischen Kürtőskalács
  • Mehl: Die Basis für einen erfolgreichen Kürtőskalács ist ein gutes Weizenmehl mit einem soliden Glutengehalt (in Deutschland Typ 405 oder 550, international als All-Purpose oder Bread Flour bekannt). Das Gluten ist entscheidend für die Entwicklung eines Teiges, der das perfekte Paradoxon erfüllt: Er muss elastisch und dehnbar sein, um sich dünn ausrollen und ohne zu reißen um die Form wickeln zu lassen, aber gleichzeitig fest genug, um über der Hitze nicht durchzuhängen oder von der Rolle zu gleiten.  
  • Hefe: Als klassisches Hefegebäck sorgt die Hefe für die wunderbar weiche, luftige und brotähnliche Textur im Inneren. Ob Du traditionelle Frischhefe oder praktische Trockenhefe verwendest, ist eine Frage der Vorliebe, wobei viele Bäcker auf den nuancierteren Geschmack von Frischhefe schwören.  
  • Fett (Butter): Butter ist ein entscheidender Geschmacksträger und sorgt für die Zartheit der Krume. Sie wird nicht nur in den Teig eingearbeitet, sondern auch geschmolzen zum Bepinseln der Backrolle und des Teiges während des Backens verwendet. Dies verhindert das Austrocknen, fördert eine gleichmäßige Bräunung und hilft dem Zucker, perfekt zu haften und zu karamellisieren.  
  • Zucker: Hier ist Kristallzucker nicht nur ein Süßungsmittel, sondern ein technisches Werkzeug. Er wird großzügig auf die Außenseite des rohen Teiges aufgetragen. Über der intensiven Hitze der Holzkohle schmilzt er, durchläuft die Maillard-Reaktion und die Karamellisierung und bildet so die charakteristische, nahtlose, knackige und glänzende Kruste, die den Kürtőskalács definiert.  
  • Milch & Eier: Diese beiden Zutaten reichern den Teig an. Die Milch sorgt für einen geschmeidigen Teig und eine feinere Porung, während die Eier für eine reichhaltigere Struktur, einen volleren Geschmack und eine schöne goldene Farbe im Inneren sorgen.  
  • Das Geheimnis des Teiges: Ein zu weicher, klebriger Teig würde auf der rotierenden Form seine Struktur verlieren. Ein zu fester Teig würde beim Wickeln brechen und nach dem Backen trocken schmecken. Die Kunst liegt darin, durch langes Kneten ein starkes Gluten-Netzwerk zu entwickeln und die Wassermenge genau zu steuern. Ein entscheidender Profi-Tipp ist, die Arbeitsfläche beim Ausrollen des Teiges leicht mit Öl statt mit Mehl zu bestreichen. Zusätzliches Mehl würde die Hydration des Teiges verändern und ihn trockener und zäher machen. Öl hingegen bewahrt die perfekte Feuchtigkeitsbalance und sorgt für einen geschmeidigen, elastischen Teig.  
Zutatentabelle

Diese Tabelle gibt Dir eine klare Übersicht über alle Zutaten, die Du für ein authentisches Ergebnis benötigst. Die Hinweise in der rechten Spalte helfen Dir, die Rolle jeder Zutat zu verstehen und die richtige Qualität zu wählen.

Tabelle 2: Kernzutaten für authentischen Kürtőskalács

Zutat

Menge (Beispiel für 4-6 Stück)

Traditionelle Rolle/Qualitätshinweis

Weizenmehl (BL55 / Type 550)

500 g

Bildet das Gerüst. Muss guten Glutengehalt haben für einen elastischen, aber festen Teig, der nicht reißt.  

Frischhefe

20 g (oder 7g Trockenhefe)

Sorgt für die luftige, weiche Innenstruktur. Frischhefe wird oft bevorzugt.  

Kristallzucker (für den Teig)

50 g

Gibt dem Teig eine leichte Grundsüße.

Vollmilch (lauwarm)

ca. 200-250 ml

Als Schüttflüssigkeit. Menge anpassen, der Teig darf nicht zu klebrig sein.  

Butter (weich für den Teig)

70 g

Verleiht Geschmack, Saftigkeit und eine zarte Krume. Auch wird die Krume „kürzer im Biss“. 

Eier

1-2 Stk.

Reichern den Teig an, sorgen für Farbe und Bindung.  

Salz

7 – 8 g

Einfach notwendig für jeden guten Hefefeinteig

Optional: Zitronenabrieb

von 1/2 Zitrone

Verleiht eine feine, frische Note, die die Süße durchbricht.  

Butter (geschmolzen zum Bepinseln)

ca. 50 g

Verhindert das Austrocknen, hilft bei der Bräunung und sorgt dafür, dass der Zucker haftet.  

Kristallzucker (zum Wälzen)

ca. 200 g

Das Herzstück! Schmilzt zur knusprigen, glänzenden Karamellkruste. Kein Puderzucker verwenden.  

Toppings (nach Wahl)

je ca. 100 g

Geriebene Walnüsse, Zimt-Zucker-Mischung, Kokosraspeln, Kakao-Zucker-Mischung. Werden nach dem Backen auf den heißen Kuchen aufgetragen.  

Emese Varga

Die Zubereitung: Süßer Genuss, Zwei Wege

Wir präsentieren Dir einen Weg zum perfekten Kürtőskalács, nämlich die ursprüngliche Methode über Holzkohle für die Puristen. Denn alles, was man hört zur Herstellung im Backofen wäre ein Sakrileg. Und wenn man nicht auf den Genuss verzichten möchte kauft man sich einfach einen kleinen Kürtöskalács-Grill für 25.000 Forint, mit dem man 2 Stück gleichzeitig über Holzkohle grillen kann.

Die authentische Holzkohle-Zubereitung (Für Puristen und Abenteurer)

Diese Methode erfordert etwas Vorbereitung, belohnt Dich aber mit dem unnachahmlichen, leicht rauchigen Geschmack und dem wahren Gefühl eines ungarischen Festes.

  1. Der Teig – Das Fundament schaffen: Gib das Mehl in eine große Schüssel. Bröckle die Frischhefe in die lauwarme Milch, füge einen Löffel des Zuckers hinzu und lasse die Mischung einige Minuten stehen, bis sie schäumt. Gib die Hefe-Mischung, die restlichen Zutaten für den Teig (restlicher Zucker, weiche Butter, Eier, Salz, Zitronenabrieb) zum Mehl. Verknete alles mit einer Küchenmaschine im langsamen Gang für mindestens 10 Minuten zu einem glatten, elastischen und festen Teig, der sich vom Schüsselrand löst. Decke den Teig ab und lasse ihn an einem warmen Ort für mindestens 1 Stunde gehen, bis er sein Volumen verdoppelt hat.  
  2. Die Glut vorbereiten: Bereite in einem Grill oder einer Feuerschale eine gleichmäßige, nicht zu heiße Holzkohleglut vor. Du benötigst eine konstante Strahlungswärme, keine lodernden Flammen. Bereite außerdem deine Backrolle vor – traditionell ein leicht konischer Zylinder aus Buchenholz – und  fette diese Holzrolle gut mit Butter ein.  
  3. Das Wickeln – Die Kunst der Spirale: Hier gibt es nun zwei Wege (und vielleicht mehr), die man gehen kann. Der einfachere, wenn du genug Platz hast, den Teig flach auszurollen, wäre mit dem Nudelholz. Von dieser Teigbahn schneidest du dann flache Streifen runter, so dass es insgesamt 5 – 6 Stücke gibt. Der andere Weg wäre, dass du den gesamten Teig in 4-6 Portionenteilst und diese einzeln auf der leicht geölten Arbeitsfläche zu einem langen, fingerdicken und ca. 1-2 cm breiten Strang rollst. Wickle diesen Streifen nun spiralförmig und leicht überlappend um die eingefettete Holzrolle, von einem Ende zum anderen. Drücke die Enden gut fest. Rolle die umwickelte Form anschließend leicht auf der Arbeitsfläche, um die Teigbahnen zu verbinden und eine glatte Oberfläche zu schaffen.  
  4. Der kritische Moment – Die Zuckerkruste: Bestreiche die gesamte Teigoberfläche großzügig mit geschmolzener Butter. Bereite ein Blech oder eine große Platte mit einer dicken Schicht Kristallzucker vor. Wälze die umwickelte Rolle nun sorgfältig im Zucker, bis die gesamte Oberfläche lückenlos bedeckt ist.  
  5. Das Backen über der Glut: Lege die Rolle nun auf die Halterung über der Glut. Jetzt beginnt der wichtigste Teil: Du musst die Rolle konstant und langsam drehen. Dies ist absolut entscheidend für eine gleichmäßige Bräunung und die perfekte Karamellisierung des Zuckers. Nach ca. 10-15 Minuten ist der Kürtőskalács fertig – er sollte eine tiefe, goldbraune Farbe und eine glänzende, harte Kruste haben.  
  6. Das Finale: Nimm die Rolle vom Feuer. Halte sie senkrecht und schlage das untere Ende leicht auf eine feste Unterlage, damit sich der heiße Kuchen von der Form löst. Schiebe ihn vorsichtig herunter. Wälze den dampfenden Kürtőskalács sofort in Deinem gewünschten Topping (z.B. gemahlene Walnüsse) und serviere ihn unverzüglich.
Emese Varga

Tipps für den Erfolg

  • Respektiere den Teig: Nimm Dir Zeit für das Kneten und Gehenlassen. Ein gut entwickelter, fester und elastischer Teig ist die halbe Miete. Er darf nicht zu weich oder klebrig sein. Verwende beim Ausrollen lieber etwas Öl als zusätzliches Mehl auf der Arbeitsfläche, um den Teig nicht auszutrocknen.  
  • Wickle mit Gefühl: Die Teigspirale muss eng und mit leichter Überlappung gewickelt werden. Es dürfen keine Lücken entstehen, durch die man die Backform sieht, sonst erhältst Du keine geschlossene Röhre.  
  • Der Zucker kommt ZUERST: Dies ist das unumstößliche Gesetz des Kürtőskalács. Das Wälzen in Kristallzucker vor dem Backen ist kein optionaler Schritt, sondern das Herzstück des Rezepts. Nur so entsteht die authentische, knackige Karamellkruste.  
  • Konstante Rotation ist alles: Ob über Glut oder im Ofen – dies ist der aktivste Teil des Backens. Ohne ständiges, langsames Drehen wird Dein Kuchen ungleichmäßig, verbrennt an einer Stelle und bleibt an der anderen blass und roh.  
  • Sofort genießen: Ein Kürtőskalács ist ein flüchtiger Genuss. Sein wahrer Zauber entfaltet sich im Kontrast zwischen der knackigen Kruste und dem weichen, dampfenden Inneren. Er sollte nur leicht abgekühlt sein, so dass die Stärke der Krume sich stabilisiert hat, er aber noch warum ist. Denke einfach daran, dass sein Charakter mit jeder Minute mehr verblasst .  
Emese Varga

Serviervorschläge

Die Art, wie ein Kürtőskalács gegessen wird, ist Teil seiner Kultur. Er wird traditionell heiß und dampfend serviert, direkt nachdem er in den gewünschten Toppings gewälzt wurde. Die Klassiker sind gemahlene Walnüsse, eine Zimt-Zucker-Mischung oder Kokosraspeln.  Man schneidet ihn nicht mit dem Messer. Stattdessen reißt man die Teigspirale am oberen Rand beginnend Streifen für Streifen ab. Dieses gemeinsame Abreißen und Teilen in der Familie oder mit Freunden unterstreicht den gemeinschaftlichen und festlichen Charakter des Gebäcks. Als Begleitung passt hervorragend ein starker Kaffee, eine reichhaltige heiße Schokolade oder, besonders in der kalten Jahreszeit, ein Glas gewürzter ungarischer Glühwein (Forralt bor).

Emese Varga