Das Ungarische Alphabet: Keine Angst vor 44 Buchstaben

Das ungarische Alphabet mag mit seinen 44 Buchstaben zunächst einschüchternd wirken, vor allem, wenn man es mit den 26 Buchstaben des deutschen oder englischen Alphabets vergleicht. Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass das ungarische Schriftsystem äußerst logisch und konsistent aufgebaut ist. Ein großer Vorteil des Ungarischen ist, dass die Sprache so geschrieben wird, wie sie gesprochen wird – es gibt kaum Ausnahmen. Du musst also nur einmal wissen (und üben) wie die einzelnen Buchstaben gesprochen werden. Die Aussprache eines Wortes lässt sich in der Regel direkt aus seiner Schreibweise ableiten, was das Lernen und Verstehen erheblich erleichtert. In diesem Text werden wir jeden einzelnen der 44 Buchstaben des ungarischen Alphabets vorstellen, ihre Aussprache erklären und mit Beispielen veranschaulichen.

Kurze und lange Buchstaben

Ein wesentlicher Aspekt des ungarischen Alphabets, der das korrekte Aussprechen von Wörtern erheblich erleichtert, ist die Unterscheidung zwischen kurzen und langen Vokalen. Im Ungarischen gibt es alle Vokale sowie das „ü“ und das „ö“ sowohl kurz als auch lang ausgesprochene Laute. Durch die Striche (Accent) erkennst Du die lange Version. Auch das I, das ö und das ü gibt es so (í,ő.ű), Und sind wir mal ehrlich: Das „ie“ oder „eh“ um Vokale lang zu machen oder den Doppelkonsonant, um einen Vokal davor kurz zu machen („Kuss“, „toll“, …)  ist nicht wirklich logisch.

Die 44 Buchstaben des Ungarischen Alphabets

Das ungarische Alphabet besteht aus 14 Vokalen und 30 Konsonanten. Hier sind die Buchstaben und ihre Aussprachen im Detail:

Vokale
  1. A: Wird als offenes „a“ ausgesprochen, was leider keine deutsche Entsprechung hat. Die „o“ im englischen Wort „hotdog“ kommt dem ungarischen a-Klang sehr nahe.
    • Beispiel: alma (Apfel)
  2. Á: Lang ausgesprochenes „a“, ähnlich wie im deutschen „Jahr“.
    • Beispiel: tál (Schüssel)
  3. E: Wird als kurzes, nicht ganz reines „e“ ausgesprochen, ähnlich wie im deutschen „Mensch“.
    • Beispiel: ember (Mensch)
  4. É: Lang ausgesprochenes „e“, ähnlich wie im deutschen „sehr“.
    • Beispiel: vér (Blut)
  5. I: Kurzes „i“, wie im deutschen „mit“.
    • Beispiel: tinta (Tinte)
  6. Í: Lang ausgesprochenes „i“, wie im deutschen „bieten“.
    • Beispiel: híd (Brücke)
  7. O: Wird als offenes „o“ ausgesprochen, ähnlich wie im deutschen „offen“.
    • Beispiel: olaj (Öl)
  8. Ó: Lang ausgesprochenes „o“, ähnlich wie im deutschen „Boden“.
    • Beispiel: ló (Pferd)
  9. Ö: Ein „ö“, wie im deutschen „Köln“.
    • Beispiel: föld (Erde)
  10. Ő: Lang ausgesprochenes „ö“, wie im deutschen „schön“, aber länger gezogen.
    • Beispiel: tők (Kapital)
  11. U: Kurzes „u“, wie im deutschen „Butter“.
    • Beispiel: utca (Straße)
  12. Ú: Lang ausgesprochenes „u“, wie im deutschen „Schule“.
    • Beispiel: hús (Fleisch)
  13. Ü: Ein kurzes „ü“, wie im deutschen „Mütze“.
    • Beispiel: fül (Ohr)
  14. Ű: Lang ausgesprochenes „ü“, wie im deutschen „früh“, aber länger gezogen.
    • Beispiel: fű (Gras)
Konsonanten
  1. B: Wie im deutschen „b“.
    • Beispiel: bár (Bar)
  2. C: Wird wie „ts“ in „Zug“ ausgesprochen.
    • Beispiel: cica (umgangssprachliches Wort für „Katze“, die offiziell „macska“ übersetzt wird)
  3. Cs: Wird wie „tsch“ in „Tschüss“ ausgesprochen.
    • Beispiel: család (Familie)
  4. D: Wie „d“ in „Dach“.
    • Beispiel: dob (Trommel)
  5. Dz: Wie „ds“ im englischen „Kids“.
    • Beispiel: edző (Trainer)
  6. Dzs: Wie „dsch“ im englischen „jungle“.
    • Beispiel: dzsungel (Dschungel)
  7. F: Wie „f“ in „Fisch“.
    • Beispiel: fa (Baum)
  8. G: Wie „g“ in „Gans“.
    • Beispiel: gép (Maschine)
  9.  Gy: Ein weicher Laut, etwa wie „dj“ im englischen „adjective“. Wichtig: Das „j“ hört man, wenn nichts dahinter folgt, nahezu nicht!
    • Beispiel: gyerek (Kind)
  10. H: Wie „h“ in „Haus“.
    • Beispiel: ház (Haus)
  11. J: Wie „j“ in „ja“.
    • Beispiel: jó (gut)
  12. K: Wie „k“ in „Kind“.
    • Beispiel: kutya (Hund)
  13. L: Wie „l“ in „Land“.
    • Beispiel: lány (Mädchen)
  14. Ly: Wird wie „j“ in „ja“ ausgesprochen (heutzutage identisch mit dem „j“).
    • Beispiel: lyuk (Loch)
  15. M: Wie „m“ in „Maus“.
    • Beispiel: madár (Vogel)
  16. N: Wie „n“ in „Nacht“.
    • Beispiel: nap (Sonne)
  17. Ny: Wird wie „nj“ im spanischen „niño“ ausgesprochen. Wichtig: Das „j“ hört man, wenn nichts dahinter folgt, nahezu nicht!
    • Beispiel: nyár (Sommer)
  18. P: Wie „p“ in „Papa“.
    • Beispiel: papír (Papier)
  19. R: Ein gerolltes „r“, ähnlich dem im spanischen „perro“.
    • Beispiel: robot (Roboter)
  20. S: Wird wie „sch“ in „Schule“ ausgesprochen.
    • Beispiel: sár (Schlamm)
  21. Sz: Wird wie „s“ im deutschen „Sonne“ ausgesprochen (Eselsbrücke: Früher hat man „sz“ anstatt „scharfes s“ gesagt).
    • Beispiel: szép (schön)
  22. T: Wie „t“ in „Tanz“.
    • Beispiel: tér (Platz)
  23. Ty: Ein weicher Laut, ähnlich wie „tj“ im englischen „tune“. Das „j“ hört man, wenn nichts dahinter folgt, nahezu nicht!
    • Beispiel: tyúk (Huhn)
  24. V: Wie „w“ in „Weg“.
    • Beispiel: víz (Wasser)
  25. Z: Ein etwas „zischelndes s“, .
    • Beispiel: zene (Musik)
  26. Zs: Wird wie „j“ im französischen „journal“ ausgesprochen.
    • Beispiel: zsír (Fett)
  27. Q, W, X, Y: Diese Buchstaben kommen im ungarischen Alphabet zwar vor, sind aber nur in Fremdwörtern zu finden und werden wie im Original ausgesprochen (z.B. taxi für „Taxi“).

Warum die ungarische Aussprache einfach ist

Das Ungarische hat den großen Vorteil, dass die Wörter so geschrieben werden, wie sie ausgesprochen werden. Im Gegensatz zum Englischen, das viele Ausnahmen hat (z.B. „though“ vs. „through“), oder dem Deutschen, das komplizierte Lautkombinationen aufweist (z.B. „sch“, „chs“), folgt das Ungarische festen Regeln. Jeder Buchstabe oder jede Buchstabenkombination hat eine bestimmte Aussprache, die konsequent verwendet wird.

Zudem unterscheidet das Ungarische konsequent zwischen kurzen und langen Vokalen. Ein kurzes „a“ unterscheidet sich deutlich von einem langen „á“, und diese Unterscheidung ist nicht nur wichtig, sondern auch leicht zu lernen, da sie klar markiert ist. Dies verhindert Missverständnisse und macht die Aussprache präziser.

Ein sehr gutes Beispiel ist der Name „Péter“, der wie im deutschen gesprochen wird, jedoch auch wirklich so geschrieben wird. Das erste „e“ ist ein klar gesprochenes, reines „e“. Und das zweite hört sich eher wie ein „ä“ an. Und im ungarischen sieht man das direkt am Buchstaben, also entweder „e“ oder „é“.

RIta

Meine Meinung zu den wichtigsten Punkten

Das ungarische Alphabet mag groß wirken, ist aber sehr logisch aufgebaut. Jeder Buchstabe hat eine feste Aussprache, und Wörter werden genauso geschrieben, wie sie gesprochen werden. Den Irrsinn wie im Deutschen (scharfes s, kurzer Vokal wenn Doppelkonsonant folgend, Dehnungs-H) gibt es nicht. Der Buchstabe selbst zeigt, wie er gesprochen wird.

Lerne auch die Doppellaute und versuche sie von Beginn an richtig auszusprechen. Gerade das „gy“, welches ein bisschen wie „dj“ klingt (mit sehr kurzem j“) ist anfangs schwer. Wenn du es dir aber schon falsch beibringst, wirst du es schwer haben das irgendwann zu korrigieren.

Es ist hilfreich, das Prinzip früh zu verstehen, dass es im Ungarischen kaum Ausnahmen bei der Aussprache gibt. Wenn du die Buchstaben einmal kennst, kannst du fast jedes Wort korrekt aussprechen und schreiben und somit auch irgendwann besser verstehen.

Achtung: Denke nicht, dass man einfach mal ein „a“ und ein „á“ nicht zwingend korrekt aussprechen müsste. Das Wort „szár“ heißt Stiel oder Stengel, in Bezug auf eine Pflanze, „Szar“ hingegen ist das vulgäre Wort für „Sch…“.

Vielleicht kannst du mit einem muttersprachlichen Ungarn aus deiner Nachbarschaft vereinbaren, dass du ihm Sachen auf ungarisch vorliest. Du musst es ja anfangs nicht verstehen, aber er kann dich direkt korrigieren, wenn die Laute nicht passen.

RIta