Wer in Ungarn ist, kommt an diesem Dessert kaum vorbei! Dieses Schild bewirbt eine der berühmtesten ungarischen Süßspeisen – die Somloer Nockerl – und macht uns neugierig auf eine spezielle Variante.
Originaltext des Schildes auf Ungarisch
Somlói galuska
kóstold meg meggyel is
Übersetzung ins Deutsche
Somloer Nockerl
koste/probiere es auch mit Sauerkirsche!
Erklärung des Inhalts
Das Schild preist die bekannte ungarische Nachspeise „Somlói Galuska“ an. Die zweite Zeile ist eine Aufforderung an den Kunden (kóstold meg), diese Spezialität auch in einer Variante mit Sauerkirschen (meggyel is) zu probieren. Es ist eine direkte Einladung zum Kosten einer besonderen Version des Klassikers.
Erklärung einzelner Begriffe
- Somlói: Somloer (Adjektiv, abgeleitet vom Namen des Somló-Hügels in Ungarn + Adjektivsuffix
-i. Bezieht sich auf den Ursprung oder die Art des Rezepts).
- galuska: Nockerl, Klößchen (Bezeichnet kleine, oft unregelmäßig geformte Teigstücke oder hier Biskuitstücke).
- kóstold meg: koste es / probiere es (Imperativ, 2. Person Singular, bestimmte Konjugation.
kóstol = kosten, probieren + Imperativ-Endung -d + Verbalpräfix meg).
- meggyel: mit Sauerkirsche (
meggy = Sauerkirsche + Instrumentalendung -vel, assimiliert zu -gyel nach dem ‚gy‘-Laut).
- is: auch.
Besondere Grammatik und Wörter für Lernende
- Grammatikalische Besonderheit: Der bestimmte Imperativ (
kóstold meg)
- Im Ungarischen gibt es zwei Konjugationsarten: unbestimmt und bestimmt. Dies gilt auch für den Imperativ (Befehlsform).
- Man verwendet die bestimmte Konjugation, wenn das Objekt des Satzes bestimmt ist (z.B. durch einen bestimmten Artikel, einen Namen, ein Possessivsuffix oder wenn es „es“, „ihn“, „sie“ [Sg./Pl.] bedeutet).
- Hier bezieht sich das „es“ (implizit) auf die „Somlói Galuska“. Deshalb wird die bestimmte Form des Imperativs benutzt.
- Die Endung für die 2. Person Singular (du) im bestimmten Imperativ ist oft
-d (nach bestimmten Stämmen auch -ad/-ed, -jad/-jed, -od/-öd).
kóstol (probieren) + -d -> kóstold (probiere es/ihn/sie!)
- Vergleich zur unbestimmten Form:
Kóstolj! (Probiere! – unbestimmt, z.B. „Probier mal was!“)
- Das Verbalpräfix
meg- steht hier vor dem Verb (obwohl es in der Grundform zum Verb gehört: megkóstol). Im Imperativ und anderen Formen tritt es oft hinter das Verb. Es verstärkt oft die Abgeschlossenheit oder das Ergebnis der Handlung („probier es wirklich/ganz“).
- Wortbildung und Grammatik:
- Adjektivsuffix
-i: Bildet Zugehörigkeitsadjektive von Orten oder Namen. Somló (Ort) -> Somlói (Somloer, von Somló stammend/im Stil von Somló). Weitere Beispiele: Pécs -> Pécsi (Pécser), Budapest -> Budapesti (Budapester).
- Instrumental
-val/-vel: Wieder sehen wir den Fall für „mit“. meggy (Sauerkirsche, vordere Vokale -> -vel) -> meggyel (mit Sauerkirsche). Die Assimilation gy + v -> gygy wird als ggy oder hier einfach gy geschrieben und als langer `gy`-Laut gesprochen.
- Nützlicher Wortschatz: Essen & Genießen
Somlói galuska ist ein Muss für Dessertliebhaber in Ungarn.
Meggy (Sauerkirsche) ist eine beliebte Zutat in ungarischen Süßspeisen und Getränken.
Kóstold meg! ist eine nützliche Aufforderung, wenn man jemandem etwas zu probieren anbieten möchte. Die Antwort könnte sein: Megkóstolom. (Ich probiere es.)
Fazit
Selbst ein einfaches Schild für ein Dessert wie „Somlói galuska“ bietet eine interessante Grammatiklektion: den bestimmten Imperativ „Kóstold meg!“. Diese Form zeigt an, dass der Sprecher genau weiß, was probiert werden soll. Zusammen mit der Angabe „meggyel is“ (auch mit Sauerkirsche) wird klar zum Kosten dieser speziellen Variante aufgefordert – eine Einladung, der man in einer guten Konditorei nur schwer widerstehen kann!
Markus Messemer